Wie Weihnachten nicht zur Umweltsünde wird
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Wie Weihnachten nicht zur Umweltsünde wird

An Weihnachten hat Nachhaltigkeit meistens Urlaub: Tannenbäume aus Monokulturen, lauter Geschenkpapier und Plastikdeko machen das besinnliche Fest zur Umweltsünde. Unsere Autorin hat Ideen gesammelt, wie ihr Weihnachten nachhaltig gestalten könnt.

Tannenbäume aus Monokulturen, Baumschmuck aus Plastik, Unmengen aus Geschenkpapier und unnachhaltige Geschenke – Weihnachten ist gespickt von umweltschädlichen Bräuchen. Wie ihr Weihnachten dennoch guten Gewissens genießen könnt, erfahrt ihr in diesem Artikel.

  1. Tannenbäume

Jedes Jahr werden laut dem Umweltbundesamt knapp 30 Millionen Weihnachtsbäume verkauft, die in der Regel in Monokulturen wachsen und mit Insektiziden, Herbiziden und Mineraldüngern versetzt werden. Dies schadet den Böden, Gewässern und Ökosystemen.

Daher sollte man am besten auf Weihnachtsbäume zurückgreifen, die unter natürlichen Bedingungen und am besten in der Region gewachsen sind. Eine Möglichkeit ist es, einen Tannenbaum beim Förster selbst zu schlagen – sicherlich ein cooles Event. Die Termine für das organisierte Weihnachtsbaumschlagen in den Niedersächsischen Landesforsten findet ihr hier. Wenn ihr noch andere Tipps habt, wo man einen Weihnachtsbaum aus dem Wald schlagen kann, schreibt sie gerne in die Kommentare!

Wenn man sich für einen in einer Kultur gewachsenen Tannenbaum entscheidet, sind Bio-Tannenbäume eine gute Wahl. Diese sind am Bio-, Bioland-, Naturland, Demeter- oder FSC-Siegel zu erkennen. Eine Bio-Nordmanntanne kann man beispielsweise im Bauhaus Lüneburg erwerben.

 

  1. Baumschmuck selber basteln

Eine schöne vorweihnachtliche Aktion ist es, den Schmuck für den Tannenbaum selber zu basteln. Hört ihr dabei noch ein paar klassische Weihnachtslieder, seid ihr garantiert in Weihnachtsstimmung. Beim weihnachtlichen Basteln vernachlässigt man leider oft das heilige Prinzip der Plastikvermeidung. Hier einige Inspirationen, wie ihr umweltfreundlicheren Weihnachtsschmuck herzaubern könnt:

Zum Beispiel könnt ihr Weihnachtsschmuck aus Salzteig herstellen. Dazu müsst ihr Mehl, Wasser und Salz im Verhältnis 2:1:1 mischen. Stecht den Teig mit Keksausstechern aus und vergesst nicht, ein Loch in die „Kekse“ zu stechen, bevor sie für eine Stunde bei 50 Grad und für noch eine Stunde bei 120 Grad in den Ofen kommen. Anschließend müsst ihr euren selbstgemachten Weihnachtsschmuck trocknen lassen. Entweder ihr fädelt danach gleich ein Band durch das „Keks“-Loch oder ihr bemalt den Weihnachtsschmuck vorher noch mit Acrylfarben, die dann auch wieder Zeit zum Trocknen brauchen.

pexels - Pavel Danilyuk - Baumschmuck aus Teig
pexels – Pavel Danilyuk – Baumschmuck aus Teig

Außerdem lassen sich auch Mandarinenschalen mit Keksausstechern ausstanzen und dann mit einer Paketschnur am Tannenbaum aufhängen. Mandarinenschale kann man alternativ in Stücke zerreißen, die man dann auf einen kreisförmigen Draht steckt. Wie Mandarinenschale muss auch nicht Erdnussschale unnötig im Müll landen: Erdnussschale kann man mit Filzstiften als Weihnachtsmänner oder Schneemänner bemalen.

Meiner Meinung nach sieht diese Weihnachtsdeko aus natürlichen Materialien um einiges geschmackvoller aus als ein Übermaß an glitzernden Plastik-Weihnachtskugeln.

 

  1. Geschenkverpackungen

Die Lebensdauer eines Geschenkpapiers ist oft mit der Lebensdauer von Plastik vergleichbar: einmal benutzt und ab in die Mülltonne. Nun, Weihnachten wäre nicht Weihnachten ohne die Spannung vor der Bescherung: Die Form von Geschenkverpackungen wird inspiziert oder die Verpackung betastet, um die darunter versteckten Objekte zu erahnen. Umhüllungen für die Geschenke sind also unentbehrlich, aber wie richten diese den geringsten Schaden für die Umwelt an?

Man kann zum Beispiel Weihnachtstüten, die man selbst einmal geschenkt bekommen hat, wiederverwerten. Oft sind Weihnachtstüten doch eh viel zu schön, um sie wegzuwerfen. Passt nur auf, dass ihr die Weihnachtstüte nicht für das Geschenk an die Person verwendet, die euch die Weihnachtstüte letztes Weihnachten geschenkt hat … 😉

Weihnachtstüte - (c) Jana Rauterberg
Weihnachtstüte – (c) Jana Rauterberg

Was Geschenkpapier anbelangt, könnt ihr dieses auch wiederverwerten. Das setzt voraus, dass ihr eure Geschenke vorsichtig auspackt, damit das Papier ansehnlich bleibt. Ich weiß, es ist schwierig, in der Aufregung beim Auspacken der Geschenke nicht den schnellsten Weg des wilden Aufreißens des Geschenkpapiers zu wählen. Aber nehmt euch ruhig die Zeit, eure Geschenke vorsichtig auszupacken. Schließlich schont ihr mit dem Wiederverwerten des Geschenkpapiers nicht nur die Umwelt, sondern auch euren Geldbeutel.

Habt ihr kein altes Geschenkpapier parat, könnt ihr alternativ Zeitungspapier verwenden. Persönlich finde ich das altertümliche Aussehen von Zeitungspapier sehr schön. Zum Aufpeppen der Geschenkverpackung kann man das Zeitungspapier aber auch antuschen und eine Schleife um das verpackte Geschenk wickeln.

Zum detaillierteren Bemalen eignet sich statt Zeitungspapier eher klassisches braunes Packpapier. Dieses ist umweltfreundlicher als konventionelles Geschenkpapier, da dieses bei der Herstellung weniger Energie und Wasser benötigt, so das Umweltbundesamt.

 

  1. Nur schenken, was Person wirklich gebrauchen kann

Eine der größten Umweltsünden an Weihnachten sind die Geschenke, die bei den Beschenkten keine Verwendung finden. Auf keinen Fall solltet ihr aus Ideenarmut Weihnachtsdeko verschenken, bei der ihr euch schon denken könnt, dass sie entweder im Müll landet oder an die Nächstbesten weiterverschenkt wird. Und diese Nächstbesten werden wohl ihrerseits nichts mit dem Ramsch anfangen können …

Wenn euch wirklich nichts einfällt, was ihr einer Person schenken sollt, könnt ihr mit ihr absprechen, sich nichts zu schenken. Natürlich kann dieser Vorschlag unangenehm sein, da er fälschlicherweise auf eure Sparsamkeit zurückgeführt werden könnte. Aber vielleicht hat die andere Person genauso wenig Ideen, was sie euch schenken soll – und somit würde der Vorschlag auf beiden Seiten Erleichterung schaffen.

Möchtet ihr der Person trotz mangelnder Ideen gern etwas schenken, solltet ihr der Person aufmerksam zuhören. Wenn die Person zum Beispiel gerade in eine neue Wohnung eingezogen ist, macht sie vielleicht Bemerkungen wie „so eine große Pfanne wie du bräuchte ich auch“ – schon habt ihr eine Idee für ein Geschenk, das definitiv nicht nach dem Auspacken verstauben wird. Des Weiteren äußert die Person, die ihr beschenken wollt, möglicherweise, was sie an eurer Wohnung mag (z.B. Begeisterung von einer Pflanze oder Gefallen an der dekorativen Lichterkette über eurem Bett). Das kann also auch ein Hinweis für eure Geschenkauswahl sein.

An die Nähbegabten unter euch: Warum verschenkt ihr nicht eine Maske mit Weihnachtsmotiv? Zu viele Masken kann man wegen der Unabsehbarkeit der Pandemie nie haben. Statt die Umwelt durch Einwegmasken zu belasten, kann man dem / der Beschenkten zu einem Vorrat an Masken verhelfen, damit immer eine frische wiederverwendbare Maske zur Verfügung steht. Zudem sorgt eine Maske mit einem schönen Motiv dafür, sich trotz der Corona-Pandemie die Weihnachtsstimmung nicht verderben zu lassen.

Ansonsten garantiert ein Gutschein beim Lieblingsgeschäft des / der zu Beschenkenden immer den Geschenknutzen, selbst wenn Gutscheine ein eher unkreativer Einfall sind.

 

  1. Geschenke, die umweltfreundliches Verhalten fördern

Meiner Meinung nach ist das nachhaltigste aller Weihnachtsgeschenke ein solches, welches das umweltfreundliche Verhalten des / der Beschenkten langfristig vorantreibt. Dabei ist es wichtig, nicht offensichtlich Moralapostel zu spielen. Wenn ihr etwa ein Stofftaschentuch als Ersatz für Einmal-Papiertaschentücher verschenkt, mag das bei den Beschenkten eher auf Reaktanz stoßen, von wegen: „Ich lasse mir von niemandem vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe“. Zudem ist ein Stofftaschentuch bei ständig laufender Nase auch nicht gerade hygienisch … Das nachhaltige Geschenk sollte also eine deutlich praktische Funktion haben. Dies tun z.B. wiederverwendbares Backpapier, Brotdosen oder eine Sprudelwassermaschine. Zur Verdeutlichung der Geschenknützlichkeit könnt ihr auf das jeweilige Objekt ein Schild kleben – bei der Sprudelwassermaschine z.B. mit der Aufschrift „damit du nicht extra für Sprudelwasser zum Supermarkt fahren musst“.

pixabay - Hans Braxmeier - glass carafe carafe bottle
pixabay – Hans Braxmeier – glass carafe carafe bottle

Ein mittlerweile schon altmodische umweltfreundliche Alternative sind Coffee-To-Go-Becher. Damit diese, falls ihr sie verschenkt, auch wirklich benutzt werden, kannst du ein persönliches Foto aufdrucken lassen (z.B. im Tchibo Online-Shop).

Zuletzt habe ich noch eine auf jeden Fall nicht langweilige Geschenkidee für euch: Wenn eine/r eurer Liebsten gern Essen oder Getränke mit Ingwer zubereitet, könnt ihr ihm / ihr Ingwer im Topf schenken. Ingwer wird nämlich i.d.R. in fernen Ländern angebaut, was entsprechend schlecht für die Ökobilanz des Lebensmittels ist. Für den Ingwer aus Eigenanbau schneidet ihr bis zu drei Ingwerstücke mit mindestens einem Auge von einer Ingwerknolle ab. Die Ingwerstücke sollten etwa fünf Zentimeter lang sein. Nachdem ihr die Ingwerstücke über Nacht ins Wasser gelegt habt, legt ihr sie mit den Augen nach oben locker in einen etwa 30 cm hohen Topf. Die Knolle sollte mäßig gegossen werden, damit eine gesunde Ingwerpflanze entsteht. Für genauere Details könnt ihr hier nachschauen.

 

Dies waren also meine fünf Tipps, wie ihr an Weihnachten mehr auf die Umwelt achten könnt. Was nehmt ihr euch vor, davon umzusetzen? Schreibt dies gerne in die Kommentare. 🙂


Foto: pexels – Bruno – Weihnachtsgeschenke

13. Dezember 2020

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Jana Rauterberg