A pile of Euro (EUR) banknotes that include 20, 100, and 200 notes. (Part IV) - (c) Ibrahim Boran - Unsplash

Studium an der Leuphana – Einer der teuersten Studienplätze in Deutschland

Die Leuphana Universität Lüneburg ist im deutschlandweiten Vergleich für eine staatliche Hochschule eine der teuersten. Wohnraum in einigen Städten ist deutlich teurer, aber der Rückmeldebeitrag ist einer der höchsten.

Für das SoSe 2022 wurde ein Rückmeldebeitrag in Höhe von 368,67 Euro fällig. Dieser teilt sich auf in:

  • Verwaltungskostenbeitrag 75 Euro
  • Landesweites Semesterticket 138,27 Euro
  • Semesterticket für Busse im Landkreis Lüneburg 19,40 Euro
  • Studierendenwerk OstNiedersachsen 108 Euro
  • Studierendenschaft 19 Euro
  • AStA-Servicebetrieb KonRad 0,75 Euro
  • AStA-Servicebetrieb Kinderbetreuung 2,50 Euro
  • Hochschulsport 2 Euro
  • StadtRAD Lüneburg 1,50 Euro
  • RadSpeicher 1,25 Euro
  • SemesterTicket Kultur 1 Euro

Für Niedersachsen ist der teuerste Studienplatz an der Uni Hannover mit 433,61 Euro Rückmeldebeitrag. In Magdeburg hingegen liegt der Beitrag bei 129,90 Euro oder in Freiberg bei 94 Euro. Eine Übersicht einiger Hochschulen gibt es bei UNICUM.

Spitzenreiter bei drei Beiträgen

Das Studentenwerk OstNiedersachsen hat für den Standort Lüneburg einen der höchsten Beiträge in ganz Deutschland mit 108 Euro pro Semester. Das Studentenwerk OstNiedersachsen hatte vor etwa acht Jahren die Beiträge massiv erhöht, Hintergrund waren unter anderem der hohe Sanierungsbedarf in anderen Städten, wie Braunschweig. Jedes Wintersemester steigt er automatisch um 2 Euro. Den bisher höchsten Beitrag konnten wir beim Studentenwerk Hannover mit 115 Euro finden.

Der Verwaltungskostenbeitrag von 75 Euro pro Semester ist der höchste im nationalen Vergleich. Einige Bundesländer verzichten auf den Beitrag oder verlangen 50 Euro. In Niedersachsen ist im NHG (Niedersächsisches Hochschulgesetz) der Verwaltungskostenbeitrag geregelt. Dieser Verwaltungskostenbeitrag fließt in den niedersächsischen Landeshaushalt und wird dann vom Land über das MWK (Ministerium für Wissenschaft und Kultur) an die Hochschulen verteilt.

Die Studierendenschaft mit 19 + 0,75 KonRad + 2,50 Kinderbetreuung Euro pro Semester ist einer der höchsten Beiträge in Deutschland. Er dient zur Finanzierung des AStA, StuPa, Fachschaften, FGVen sowie studentischen Initiativen. Wie das Geld verwendet wird, hatten wir schon berichtet. An der Universität Oldenburg ist der Beitrag mit 23,30 Euro + Fahrradselbsthilfewerkstatt 2,60 Euro höher.

Andere Hochschulen haben noch höhere Beiträge für ein Semesterticket wie beispielsweise die Hamburger Hochschulen mit dem HVV Semesterticket 182,40 Euro. Auch das Semesterticket der LMU München übersteigt den der Leuphana: Das Semesterticket beinhalten einen Solidarbeitrag von 69,40 Euro für alle, die Möglichkeit, von 18 – 6 Uhr morgens zu fahren und ein Aufpreisticket von 195,70 Euro für keine zeitlichen Einschränkungen im ÖPNV.

Entwicklung der Rückmeldegebühren

Gestiegene Kosten innerhalb der letzten Jahre

Lüneburg ist in der Metropolregion Hamburg attraktiv, daher steigen seit Jahren auch die Mieten in der Hansestadt. Im Durchschnitt werden 8,10 Euro pro qm (Nettokaltmiete) in Niedersachsen bezahlt. In 2012 wurden 7,14 Euro pro qm für Lüneburg aufgerufen, 2019 bereits 9,50 Euro. Von 2012 bis 2019 gab es eine jährliche Steigerung der Mietpreise von 4,2 %. Aktuell werden für Lüneburg 9,53 Euro pro qm in 2021 aufgerufen, von 2020 auf 2021 ein Anstieg um 6,6 %.

Bei den Daten von Lüneburg handelt es sich um jene für den Landkreis Lüneburg, nicht nur für die Stadt. Weiterhin stellen die Zahlen die Erst- und Wiedervermietungsmieten, also die Angebotsmieten, dar. Die Bestandsmieten sind nicht mit reingerechnet.

Der Bundestagsabgeordnete Victor Perli (DIE LINKE) dazu:

Die Mietpreise in Niedersachsen sind erneut deutlich gestiegen. In fast allen Landkreisen und Städten gibt es neue Höchststände. Die Zahlen zeigen, dass die sogenannte Mietpreisbremse in Niedersachsen wirkungslos verpufft ist. Seit 2017 sind die Angebotsmieten landesweit im Schnitt um 17,4% gestiegen, in den vier Jahren davor war es eine Verteuerung um 15%. Das ist eine desaströse Bilanz für Ministerpräsident Stephan Weil.

Die Mensa vom Studentenwerk Ostniedersachsen hat ihr Gastronomiekonzept umgestellt sowie auf die gestiegenen Energiekosten reagiert und im Durchschnitt die Preise zum 01. April 2022 um 20 % erhöht.

Drohende Kostensteigerungen

Aufgrund der stark gestiegenen Energiekosten ist damit zu rechnen, dass auf die Studierenden je nach Wohngebäude entsprechende Nachzahlungen für Energiekosten auf diese zukommen oder entsprechende Mietverträge, die eine Pauschale vorsehen, erhöht werden. Hinzu kommt die Inflation (Allgemeiner Preisanstieg). Die Energiepreispauschale in Höhe von einmalig 300 Euro wird an Studierende nicht ausbezahlt.


Falls es eine Studierendenschaft oder Studierendenwerk gibt mit einem höheren Beitrag als die bei uns genannten, freuen wir uns über einen Hinweis. Wir konnten nicht alle rund 400 Hochschulen einzeln prüfen, fanden aber auch nach längerer Zeit in der Suchmaschine keine höheren Beiträge.


Die Daten vom Bundestag beruhen auf die Anfragen des niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Victor Perli (DIE LINKE).
Foto: A pile of Euro (EUR) banknotes that include 20, 100, and 200 notes. (Part IV) - (c) Ibrahim Boran - Unsplash

Update 28.05.2022 - 18:30 Uhr: Wir haben den Absatz mit dem höchsten Beitrag für die Studierendenschaft korrigiert, an der Universität Oldenburg gibt es einen höheren Beitrag. Wir danken Johannes vom AStA für den Hinweis.

Christopher Bohlens

Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltungen, wo es so richtig kracht. Liebt investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.

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