Do you speak English? – Präsidium will Studiengang Politikwissenschaft umstellen?
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Do you speak English? – Präsidium will Studiengang Politikwissenschaft umstellen?

Der Major Politikwissenschaft soll komplett auf Englisch umgestellt werden. Die Fachgruppenvertretung PoWi und die Studierenden sind alles andere als begeistert. Eine Bestandsaufnahme.


Die Fachgruppenvertretung PoWi, bestehend aus fünf gewählten Mitglieder und einigen weiteren engagierten Studierenden, sehen die Umstellung kritisch. Im Gespräch mit der Univativ berichtet die FGV PoWi von den Plänen. Größter Kritikpunkt sei die fehlende Beteiligung der Studierenden bei der geplanten Umstellung. Es kommt hinzu, dass sich zwei Module nicht für eine Umstellung eignen würden.

Hintergrund
Der letzte Qualitätszirkel, in dem über die Stärken, Schwächen und die Weiterentwicklung des Studiengangs diskutiert wurde, fand im Januar diesen Jahres statt. Qualitätszirkel (QZ) sind an der Leuphana ein wichtiger Bestandteil des Qualitätsmanagementsystems und beteiligen Verantwortliche, Lehrende und Studierende. In diesem war von einer Umstellung auf Englisch noch keine Rede.

Das Institut für Politikwissenschaft, welches Maßgeblich den Studiengang Major Politikwissenschaft verantwortet, unterlag in den letzten Jahren einer hohen Personalfluktuation. Die Idee zur geplanten Umstellung des Studiengangs auf Englisch kam aus dem Präsidium der Leuphana, mit dem Ziel mehr, Studiengänge in englischer Sprache anzubieten, um die Leuphana für ausländische Studierende und Austauschprogramme interessanter zu machen. Insgesamt verfolgt die Leuphana derzeit die Strategie, mehr Studiengänge auf Englisch anzubieten, so sollte auch der Major Volkswirtschaftslehre (VWL) bereits ab Oktober 2020 umgestellt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie verschiebt sich jedoch die Umstellung um ein Jahr.

Meinung der Studierenden

Grundsätzlich werden englische Veranstaltungen nicht abgelehnt, aber eine Mehrheit sieht die vollständige Umstellung des Studiengangs auf Englisch kritisch, so die FGV PoWi. Die Meinung der FGV PoWi spiegelt die Ergebnisse einer Umfrage über die Umstellung des Majors auf Englisch wieder. Über die hohe Rücklaufquote der Umfrage (77 Teilnehmer*innen, bei ca. 250 Studierenden) sei man sehr erfreut.

Gerade in zwei Modulen, der Regierungslehre der BRD und der Politischen Theorie ergibt eine Umstellung wenig Sinn, da einerseits die Inhalte das deutsche Regierungssystem betreffen und keine umfangreiche und tiefe Literatur in Englisch vorhanden ist. Im Bereich der politischen Theorie behandeln Student*innen ohnehin viele Texte, die ursprünglich auf Deutsch verfasst wurden. Das seien zum Beispiel Texte von Kant, Marx, Hannah Arendt oder Jürgen Habermas. Gerade die Einführungsveranstaltungen sollten weiterhin auf Deutsch bleiben. In einigen Bereichen hingegen scheint englische Lehre sinnvoll zu sein. So werden auch aktuell schon einige Veranstaltungen, wie die Vertiefung in den Internationalen Beziehungen, primär auf Englisch angeboten.

Zentrale Aussagen der Umfrageergebnisse sind, dass die Mehrheit der Studierenden deutsche Veranstaltungen bei der Kurswahl präferieren. Rund 77 % erachten es als sinnvoll, dass manche Inhalte auf Deutsch und andere auf Englisch gelehrt werden. Schließlich bleibt, als Fazit der Umfrage zu nennen, dass über 60 % der Befragten nicht an der Leuphana studieren würden, wenn der Major auf Englisch wäre.

Sollte es zu der Umstellung kommen, so ist auch die Befürchtung der FGV PoWi, dass die Nachfrage nach dem Studiengang sinken würde. Bisher stehen rund 60 Studienplätze pro Jahr zur Verfügung.

Im Portal StudyCheck.de erreicht der Studiengang bei 19 Bewertungen eine 3,9 als Note bei 89 % Weiterempfehlungsquote.

Rückmeldung der Leuphana

Auf Anfrage der Univativ über die Umstellung antwortete die Leuphana, dass die Umstellung voraussichtlich im Wintersemester 2021/22 geplant sei. Im Qualitätszirkel als auch in der Studienkommission (StuKo) werden alle wichtigen Fragen für das Studienprogramm diskutiert. Die Qualitätszirkel dienen im Rahmen der Systemakkreditierung dazu, systematisch die Entwicklung der Studienprogramme voranzutreiben. In ihnen arbeiten sowohl Lehrende als auch Studierende aus dem jeweiligen Programm zusammen. Die Studienkommissionen diskutieren in paritätischer Besetzung von Studierenden und Lehrenden alle Angelegenheiten des Studiums und geben Empfehlungen für die Fakultätsräte ab.

Englisch ist in vielen wissenschaftlichen Disziplinen eine immer wichtigere Sprache in Forschung und Lehre. Dem trägt die Universität Rechnung bei, wobei die konkreten Entscheidungen durch die jeweils zuständigen Gremien getroffen werden.

Schließlich sind bisher die Umfrageergebnisse der Leuphana nicht bekannt.

Wie geht es weiter?
Die FGV PoWi steht im Austausch mit dem Institut, welches sich bisher wegen der Umstellung nicht öffentlich geäußert hat.


Foto: Screenshot Ergebnis der Umfrage der FGV PoWi zum Thema Englisch Umstellung – (c) Christopher Bohlens

7. Juli 2020

About Author

Christopher Bohlens Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltungen, wo es so richtig kracht. Liebt investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.


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