Das digitale Studium meistern – neues Semester, neuer Versuch
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Das digitale Studium meistern – neues Semester, neuer Versuch

Im digitalen Sommersemester 2020 lief für viele Studierende nicht alles perfekt. Hier berichte ich, welche Fehler ich im nächsten Semester nicht wiederholen will und wie es besser klappen kann.

Das Sommersemester 2020 war für viele Studierende das erste rein digitale Semester, bei dem wie bei allen ersten Malen wahrscheinlich nicht alles perfekt lief. Der eine nahm an den Online-Lehrveranstaltungen vielleicht nur „nebenbei“ teil, der andere hatte möglicherweise Schwierigkeiten, sich zu entspannen – wo doch das Studium, eventuell die Arbeit und Freizeit am gleichen Ort stattfanden. Hier berichte ich, was ich mir für die digitalen Veranstaltungen in diesem Semester vorgenommen habe zu verbessern.

Fangen wir mit den Gewohnheiten an, die für meinen Studienerfolg letztes Semester nicht sonderlich nützlich waren:

1. Stubenhocker

Da ich nicht mehr zu Fuß zur Uni gehen musste, fehlte schon mal die für die Aufnahmefähigkeit in den Lehrveranstaltungen förderliche Bewegung. Wenn ich dann im Laufe des Tages erschöpft davon war, komplizierten Vorlesungsinhalten zu folgen, oder einfach nicht mehr auf den Bildschirm starren konnte, warf ich mich oft ins nahgelegene Bett. Diese Art von Entspannung zog aber negative Konsequenzen nach sich: Noch mehr Bewegungsmangel und meine Gedanken waren immer noch studienbezogen, da mein Lernplatz im selben Raum war.

2. Ablenkung durchs Handy

Im letzten Semester hatte ich oft mein Handy am Schreibtisch, um beispielsweise mit Kommiliton*innen studienbezogene Unklarheiten zu klären. Unweigerlich erschienen dann Nachrichten von Freunden, bei denen ich mich verpflichtet fühlte, sofort zu antworten, denn das macht man ja so bei Freunden. Gelegentlich riefen mich auch meine Eltern auf Whatsapp an, weil ich online und ihrer Ansicht nach daher auch verfügbar war.

3. Mangelnder Austausch mit Kommiliton*innen

Eine weitere Schwierigkeit im digitalen Sommersemester 2020 stellte für mich der fehlende Kontakt zu Mitstudierenden dar. Erstens konnte ich so nicht einschätzen, wie sich mein Lernpensum im Vergleich zu dem anderer verhielt oder mir entglitten wichtige Informationen, beispielsweise zu Prüfungsanforderungen, die von der Professorin nur einmal lose mündlich mitgeteilt worden waren. Zweitens macht Studieren als „Einzelkampf“ einfach wenig Spaß – und lässt sich viel mehr genießen, wenn man die Anstrengungen gemeinsam mit Freund*innen desselben Studienfachs durchsteht, zwischendurch über die Eigenarten mancher Professor*innen witzelt und gemeinsam aufatmen kann, wenn das Semester vorbei ist.

4. Zu lockerer Umgang mit dem Studium

Weiterhin verführt ein Semester mit digitalen und daher „mobilen“ Lehrveranstaltungen dazu, sich während der Lehrveranstaltungen noch anderen Beschäftigungen zu widmen und somit dem Studium nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe zum Beispiel letztes Semester gelegentlich während Lehrveranstaltungen gekocht oder geduscht. Zugegebenermaßen hat mich das Studium dann weniger gestresst. Die Stimmen der Dozent*innen im Hintergrund versetzten mich fast wie ein Podcast in eine Wohlfühl-Atmosphäre, doch am Ende der Vorlesungszeit musste ich dann umso mehr nacharbeiten. Selbst wenn ich keiner anderen Tätigkeit während einer Lehrveranstaltung nachging, konnte ich mich vergangenes Semester nicht so gut konzentrieren– zum Beispiel dann, wenn mein Freund bei mir übernachtet hatte und sich dann aus Platzmangel in meinem Zimmer aufhielt.

5. Falsche Ernährung

Wenn zwischen den Lehrveranstaltungen wenig Zeit war, bin ich in Zeiten des Präsenzunterricht oft in die Mensa oder zur Eateria gegangen, doch nun sind diese Essensmöglichkeiten weiter weg von mir oder sogar geschlossen. Da ich letztes Semester in 30-minütigen Pausen auf die Schnelle meinen Hunger nicht besser zu stillen wusste, machte ich gerne mal eine Kekspackung platt.  Der Zuckerspiegel stieg so zwar rasant, fiel dafür im Laufe der Lehrveranstaltung aber auch wieder schnell. Dementsprechend ließ meine Konzentrationsfähigkeit zu wünschen übrig.

 

Ich bin mir sicher, ein paar der von mir beschriebenen Gewohnheiten trafen auch auf den einen oder anderen im Sommersemester 2020 zu. Daher leite ich aus meinen Erfahrungen mit dem ersten digitalen Semester Empfehlungen ab, die auch euch weiterhelfen könnten:

 

1. Ab an die frische Luft

Wenn euch der Uniweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad fehlt, geht einfach joggen! Vielleicht könnt ihr auch eure Mitbewohner*innen motivieren, mitzujoggen, indem ihr sagt: „Du willst doch schließlich noch im Alter fit sein!“ Das Gute am Online-Unterricht: Ihr müsst nicht extra Zeit zum Duschen nach dem Joggen einplanen, denn zum Glück haben wir noch kein Geruchs-Streaming und somit kann das schon mal niemanden eurer Kommiliton*innen oder Professor*innen stören…

Oder macht während der Lehrveranstaltungspausen einen kleinen Spaziergang. Ihr werdet von der Bewegung nicht nur wacher, sondern könnt euch auch leichter gedanklich vom Studium distanzieren. Wenn ihr euer Zimmer mal verlasst und so nicht das Gefühl habt, dauerhaft mit dem Studium beschäftigt zu sein, wird euch das einiges an Stress nehmen. Wenn es sich zeitlich nicht lohnt nach draußen zu gehen, könnt ihr auch ein 15-minütiges Workout auf YouTube machen. Falls ihr weg vom Computer wollt, schaltet einfach eure Spotify-Playlist an und lockert beim Tanzen euren steifen Rücken.

2. Handy weg vom Schreibtisch

Während ihr studiert, bringt euch das Handy neben euch mehr Schaden als Nutzen. Wenn ihr gerade Zoom benutzt, könnt ihr dort auch Kommiliton*innen zu Vorlesungsinhalten befragen. Dazu müsst ihr beim Schicken einer Nachricht einfach statt der Voreinstellung „Versenden an alle“ den / die entsprechende Kommilitonen/-in auswählen. Braucht ihr das Handy aber unbedingt, um mit Mitstudierenden zu kommunizieren, schaltet wenigstens die WhatsApp-Gruppen mit hohem Nachrichtenaufkommen stumm. So reagiert ihr – hoffentlich – weniger auf andere, ablenkende Nachrichten.

3. Keine Isolation trotz Corona!

Sucht euch am Anfang des Semesters Kommiliton*innen, mit denen ihr euch über die Lehrveranstaltungsinhalte austauschen könnt. Vereinbart gleich konkrete Bestandteile eurer Zusammenarbeit: zum Beispiel gemeinsam Unsicherheiten bezüglich Lehrveranstaltungsinhalten klären, Lösungen zu Übungsaufgaben vergleichen oder sich für Klausuren gegenseitig abfragen. Außerdem solltet ihr, wenn ihr es nicht bereits getan habt, checken, welche eurer Kommiliton*innen zurzeit in eurer Stadt wohnen. Meiner Meinung nach spricht nichts dagegen, sich ab und zu auch persönlich mit Kommiliton*innen zu treffen, nur solltet ihr dafür am besten keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und den Personenkreis möglichst klein und gleichbleibend halten. Falls ihr euch während eures Studiums in Präsenz nur mit wenigen Kommiliton*innen angefreundet habt, schreibt doch einfach mal in eure Studienfach-WhatsApp-Gruppe, wer Lust hat, sich was aus der Mensa zu holen und dann gemeinsam auf dem Campus zu essen. Die Campus-Sehnsucht plagt zurzeit sicherlich viele Studierende – also finden sich bestimmt Gleichgesinnte.

4. Orte und Zeiten nur für euch und euer Studium

An den Tagen, an denen ihr Lehrveranstaltungen habt, solltet ihr an eurem gewohnten Arbeitsplatz sein. Dabei sollten sich möglichst keine weiteren Personen in eurem Raum befinden, die euch ablenken könnten. Ausnahme: Wenn die Person, die sich mit euch in einem Raum aufhält, auch an der Lehrveranstaltung teilnimmt, kann dies Vorteile bringen: Ihr könnt euch gegenseitig dazu motivieren, aufzupassen und gleich Unklarheiten besprechen. Außerdem solltet ihr eure Tage zeitlich so strukturieren, dass ihr während der Lehrveranstaltungen nichts anderes gleichzeitig erledigen müsst.

5. Kochen, aber Zeit einsparen

Für eine gesunde Ernährung in der Vorlesungszeit könntet ihr euch mit WG-Mitbewohner*innen mit dem Kochen des Mittagessens abwechseln. So könnt ihr einen Kochplan vereinbaren, bei dem die Kochzeiten der WG-Mitglieder an ihren Uni-Stundenplan angepasst sind. Wenn diese Absprache nicht funktioniert oder du allein wohnst, empfehle ich Portionen für zwei Tage zu kochen, sodass du dir dein Essen jeden zweiten Tag einfach schnell warm machen kannst.

 

Dies waren also meine Empfehlungen zum Meistern des hauptsächlich digitalen Studiums im Wintersemester 2020/21. Ich hoffe, der ein oder andere Tipp hat euch weitergeholfen. Die Univativ freut sich auch über Anregungen eurerseits für ein erfolgreiches Online-Studium. Schreibt dazu gerne in die Kommentare!


Foto: Digitales Studium zu locker angehen – (c) pexels

11. Oktober 2020

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Jana Rauterberg


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