Leuphana Green Fashion App
Ausprobiert, Titelblatt

Leuphana Green Fashion App

Fast Fashion. Das Mode-Pendant zum Fast Food. Kleidung, die man billig kauft und schnell wieder wegwirft.

Nicht nur für die Umwelt hat dies katastrophale Folgen, auch die Arbeiter*innen, die diese Kleidung produzieren, müssen unter schwierigsten Konditionen arbeiten, während sie schlecht bezahlt werden. Und das mit dem einzigen Ziel, dass die Industrie ihren Profit in westlichen Ländern maximieren kann. Während Unternehmen wie Kik (kurz für´Kunde ist König´) ihren Umsatz 2019 auf 2,1 Milliarden Euro steigern konnte, erhalten Arbeiterinnen lediglich 85 Euro pro Monat.

Als in einer Fabrik in Karachi, Pakistan, in der für das deutsche Unternehmen KiK Kleidung produziert wurde, 2012 ein Brand ausbrach, der 258 Menschen tötete, fühlte sich das Unternehmen nicht verantwortlich (obwohl sich der Brand aufgrund der nicht erfüllten Sicherheitsstandards so schnell ausbreiten konnte) und hat sich bis heute geweigert für das Unglück den betroffenen Familien Schadensersatz zuzusprechen.

Natürlich war das nicht das einzige Unglück und natürlich ist Kik auch nicht das einzig schuldige Unternehmen. Unter anderem gehören auch H&M, Primark, Mango, Zara, Adidas und viele andere dazu. Selbst während der Corona-Pandemie haben es diese Unternehmen geschafft, ihren Profit noch weiter zu erhöhen. Es gibt keine Version der Fast Fashion Industrie, in der Menschenrechte und Arbeitnehmer*innenrechte respektiert werden.

Da Deutschland, nach den USA der größte Importeur dieser Ware aus Bangladesch ist, ist es daher auch wichtig, dass wir unser Kaufverhalten von Grund auf verändern – selbst wenn die Unternehmen die Hauptverantwortlichen sind. Dies sollte nicht schwierig sein, denn um die 60% der Kleidung, die produziert wird, wird gar nicht erst getragen.

Als Konsumenten haben wir die Möglichkeit genau zu überlegen, ob wir überhaupt neue Klamotten benötigen, denn das ist die einzige Möglichkeit dieses große Problem in der Textilindustrie zu bekämpfen.

Hierbei kann die neue App `Green Fashion Challenge App`, die von Professor Jacob Hörisch und Lena Hampe der Leuphana Universität Lüneburg konzipiert wurde, helfen.

Das grundlegende Konzept der App ist logisch: Du dokumentierst wie viele Kleidungsstücke du in einem bestimmten Zeitraum höchstens kaufen möchtest.

Hast du dir gerade erst ein Account zugelegt, bekommst du mit 0 Punkten den `Neuling`-Status. Die Funktionen ähneln denen anderer Apps: Du kannst Auszeichnungen erhalten, Freunde einladen und Punkte erhalten. Was es jedoch bei nicht allen Apps gibt ist die persönliche Zielsetzung, wie z.B. „Anzahl der neuen Kleidungsstücke, die ich maximal im Monat kaufen möchte.“

Klickt man auf ‚Weiter‘ kommen Selbsteinschätzungsfragen, wie: „Ist es dir wichtig, dass deine Kleidung sozial hergestellt wird?“ Dann gibst du an wie viele der Teile, die du im Monat höchstens kaufen möchtest, sozial zertifiziert sein sollten.

Dann geht es aber bereits nicht mehr nur um einfaches Dokumentieren, denn direkt unter deiner Antwort kommen erste Informationen zu Mode-Siegeln, was diese bedeuten und ob sie „sozialverträglich“, „umweltverträglich“ oder beides sind. Hier ein Beispiel für die „Global Organic Textile Standard“ und „Blauer Engel“, die beide als umweltverträglich eingestuft wurden. (Ausschnitt der Tabelle)

Screenshot Siegel (Tabelle) - Green Fashion Challenge App - (c) Pune Karimi
Screenshot Siegel (Tabelle) – Green Fashion Challenge App – (c) Pune Karimi

Unter dieser Tabelle gibt es weitere Informationen zu Siegeln, die sich auf das Tierwohl konzentrieren.

Mit diesem Schema kannst du dich durch die ganze App durchklicken – zunächst eine Frage für dich (von ökologischen Anforderungen bis hin zum korrekten Waschen), anschließend wichtige Informationen und einige Tipps, wie du deine Ziele erreichen kannst. Interessant sind auch die Tipps zum Minimalismus: Dort wird der „Capsule Wardrobe“ vorgestellt.

Das Wichtige hierbei ist: Nicht nur alles wegwerfen und kurze Zeit später wieder kaufen, sondern aussortieren und lernen, wie man bewusster einkauft. Das Konzept des Capsule Wardrobe kommt ursprünglich von der amerikanischen Designern Donna Karan, aber ein ähnliches System des Ausmistens kann auch bei der japanischen Autorin Marie Kondo gefunden werden. Wenn du schließlich alle Fragen beantwortet hast (ca. 9 Fragen), tauchen deine Ziele in deinem Konto auf. So kannst du deinen Fortschritt/dein Kaufverhalten tracken und gegebenenfalls anpassen.

Auch wenn diese spezifische Trackingfunktion nicht unbedingt notwendig ist (man kann auch selbst eine Liste führen und jeden Kauf eintragen), sind die Informationen, die man in dieser App finden kann sehr nützlich und in so einem übersichtlichen Format nur schwer zu finden. Trotz der persönlichen Auseinandersetzung mit den Themen Umwelt und Konsum, waren die bereitgestellten Ressourcen hilfreich und einige Inhalte auch neu.

Eine sehr tolle und übersichtliche App, mit sehr wichtigen Informationen, die die Verbraucher zur Verbesserung des persönlichen Konsums anspornen und unterstützend wirken.


Foto: Pixabay – Pixabay License – Public Co – Interview

13. Oktober 2020

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Pune Karimi


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