Beim Science Slam werden wissenschaftliche Erkenntnisse nicht als akademisches Paper, sondern in unterhaltsamen Kurzvorträgen präsentiert. Am Ende entscheidet das Publikum: Welches Forschungsergebnis gewinnt diesmal den Titel „GOAT“ (greatest of all time)?
Ein gut gefüllter Hörsaal, Gelächter und Applaus. Wie sich schon vermuten lässt, handelt es sich nicht um eine normale Vorlesung. Ebenso wenig um Stand-up-Comedy, denn im Mittelpunkt steht die Wissenschaft.
Am Dienstagabend, den 16. Juni, um 18 Uhr verwandelte sich die Leuphana für einen Abend in eine Bühne für Wissensvermittlung und Unterhaltung. Erstmals seit 2022 fand hier wieder ein Lüneburger Science Slam statt. Das Konzept ähnelt einem klassischen Poetry Slam-nur dass hier eben keine selbstverfassten Texte, sondern Zusammenhänge aus der wissenschaftlichen Forschung möglichst verständlich und unterhaltsam präsentiert werden. Ergänzt wurde der Abend durch ein buntes Rahmenprogramm mit Quiz, Musik, Kunst und Tanz. Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch ein breites Bündnis aus der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dem Dachverband der Studierendeninitiativen (DSI), ROCK YOUR LIFE, der Exkursionsinitiative der Leuphana und Viva con Agua.
Den Einstieg des Abends bildete kein Slam sondern ein Quiz. Die Fragen waren dabei genauso vielfältig wie der gesamte Abend. Von Politik, über Philosophie bis zur Geschichte der Leuphana. Darüber, ob der Name „Leuphana“ nun seinen Ursprung in einer antiken germanischen Siedlung oder doch bei einer Unternehmensberatung in Hamburg findet, gab es allerdings auch nach dem Quiz noch Unstimmigkeiten. Anschließend erklärten die ModeratorInnen die Regeln des Science Slams: Vier SlamerInnen-Teams treten nacheinander auf und am Ende entscheidet das Publikum, wer den Titel des „GOAT“ (Greatest Of All Time) verdient hat.
Den Auftakt machten Janina Peschmann und Paul Herrmann mit dem Entrepreneurship-Programm „STEP“ (Student Training for Entrepreneurial Promotion). Sie bewiesen dem Publikum, dass Fehler zu machen und vermeintliches Scheitern auch als Chance gesehen werden können und zum Unternehmertum dazugehören. Warum als Alternative zur Arbeitslosigkeit nicht einfach den eigenen Job erfinden? Die These mag streitbar sein, die Erkenntnisse der Entrepreneurship-Forschung wurden allerdings erst einmal mit viel Applaus quittiert. Die thematische Bandbreite des Abends spiegelte sich auch im nächsten Beitrag wieder. Auf Entrepreneurship als nächstes ein Einblick in kritische Museologie und transkulturelle Kunstgeschichte. Juniorprofessorin Vera-Simone Schulz plädierte dabei für ein Aufbrechen des eurozentristischen Blick auf Kunst.
In der Pause wurde zwischen Getränken und Pizzaschnecken angeregt darüber diskutiert, welcher Beitrag bisher die besten Chancen auf den Sieg hatte. Der dritte Slam, präsentiert von Marc Kleinknecht widmete sich einer Frage, die vermutlich viele angehende Lehrkräfte beschäftigt: Lernt man Unterrichten wirklich am besten, indem man direkt ins kalte Wasser oder in diesem Fall ins volle Klassenzimmer geworfen wird? Die Ergebnisse der empirischen Bildungsforschung sprechen eher dagegen. Der größte Lernerfolg wird demnach durch genaue Planung der Unterrichtseinheiten und späteres Reflektieren erzielt.
Den Abschluss machte Mario Mechtel mit einem unterhaltsamen Einblick in die Prinzipien der Verhaltensökonomie. Warum würde Boris Johnson für die Strecke von Uelzen nach Lüneburg vermutlich das Flugzeug wählen? Dahinter steckt die sogenannte „Replacement Excuse“. Das ist der Begriff für das psychologische Muster, dass Menschen ihr eigenes Verhalten so gerne mit der Ausrede „Wenn ich es nicht mache, macht es eben jemand anderes“ entschuldigen.
Während das Publikum nun abschließend über den GOAT abstimmte, sorgten Flo und Frieda von FirleFanz mit Gesang und Gitarre für echte Gänsehautmomente. Am Ende setzte sich Mario Mechtel mit mehr als der Hälfte der Stimmen durch. Und der Preis für den GOAT? Eine einjährige Patenschaft für die Ziege „Madonna“ aus dem Wendland.
Foto: Dorothea Berke
