Willkommen im Club! Erfahrungen mit der gehypten Clubhouse-App
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Willkommen im Club! Erfahrungen mit der gehypten Clubhouse-App

Die Freude ist groß, wenn du die ersehnte Einladung per SMS zur neuen Clubhouse-App bekommst und dich endlich anmelden kannst, um auch bei diesem Trend mitzumachen. Du hast davon noch nichts gehört? Auch nicht schlimm, wir klären dich auf.

Vorweg: Keine Angst, du musst nicht auf eine Einladungsnachricht von deinen Kontakten warten, um bei dem neuen sozialen Netzwerk Clubhouse mitzumachen. Du kannst auch einfach die App installieren und darauf warten, dass einer deiner bestehenden Kontakte dich reinlässt. Alternativ werden Mitgliedlinks auf Ebay angeboten. Trotzdem stellt dieses Konzept der Einladung ein Gefühl der Exklusivität her, ähnlich wie wir es noch von SchülerVZ kennen.

Warum dieser Hype?

Natürlich steckt auch hinter Clubhouse das Prinzip der künstlichen Verknappung. Jede*r will das, was er/sie nicht haben kann, der FOMO-Effekt (Fear-Of-Missing-Out) ist groß. Und dann werben noch die Influencer*innen auf allen Kanälen für die neue App, die halbe Promi-Welt ist schon dabei. Dann die nächste Hürde: Die App ist leider nur für Apple-User erhältlich. Allein der Name Clubhouse schreit nach Exklusivität.

Einmal angemeldet hast du Zugang zu den unendlichen Inhalten der Clubhouse-App, die von zwei US-amerikanischen Ex-Googlemitarbeitern entwickelt wurde. Das Prinzip ist einfach und einzigartig, den Nutzer*innen stehen ausschließlich Live-Audioinhalte zur Verfügung. Du befindest dich also in einer Mischung von Dauer-Podcast und offener Telefonkonferenz, oft können die Zuhörer*innen mit in das Gespräch einsteigen. Darin besteht auch die Gefahr: Es gibt kein Ende. Beliebig können die Räume gewechselt werden, immer neue tauchen auf. Kommentieren oder liken ist nicht möglich.

Trotzdem muss sich erst in das Prinzip eingefunden werden. Erst wenn du den richtigen Leuten innerhalb der App folgst, werden dir deren Talks angezeigt. So braucht es einige Zeit, interessante Gespräche ausfindig zu machen. Thematisch reicht es von anspruchsvoll bis leger. Viel wird die App für Business-Talk genutzt. Unternehmer*innen möchten Tipps geben, wie man möglichst erfolgreich und reich wird, oder aber ihr eigenes Geschäft bewerben. Als professionelle Version von Instagram bietet Clubhouse dafür eine Plattform. Mit Teilnahme von Politiker*innen oder Journalist*innen kommt es aber auch zu relevanten Debatten, die ganz nah am aktuellen Geschehen sind. Auf der anderen Seite kannst du einfach belanglosem Smalltalk oder Lebensweisheiten zuhören und das rund um die Uhr. Ebenfalls lustig, durch die hohe Zahl von Promis und Influencer*innen kann es schnell vorkommen, dass du dein eigenes Bildchen neben einer Berühmtheit findest.

Die Sache mit dem Datenschutz

Wer die Presse verfolgt, mag es schon mitbekommen haben: Clubhouse wird scharf für seine Datennutzung kritisiert. Du gibst bei Anmeldung nicht nur den Zugriff zu all deinen Kontakten frei, was in Europa ein sehr umstrittenes Vorgehen ist. Clubhouse soll zudem alle Live-Gespräche aufnehmen: kritisch, auch wenn die Daten danach gelöscht werden. Das Aufzeichnen ist natürlich als Schutz bei unangebrachten Inhalten und Missbrauch gedacht. Das Live-Prinzip der App kann Segen und Fluch zugleich sein, es gibt die Freiheit, sich spontan und ohne Folgen auszudrücken, gleichzeitig aber das Problem, Gesagtes schwer festhalten zu können.

Viel diskutiert werden außerdem das Potential und die Zukunftsfähigkeit des neuen sozialen Netzwerks. Kann dieses Prinzip so dauerhaft funktionieren und sich etablieren? Zum einen kommt die Frage auf, wie sich die App langfristig finanziert. Die App als Werbefläche wäre hierfür eine Möglichkeit. Ein Prinzip mit Mitgliedschaften à la OnlyFans, also Gebühren, um Leuten zu folgen und bei deren Talks mit dabei zu sein, wäre ebenso denkbar. Momentan wird die App durch Kapitalgeber finanziert.

Wie viele andere soziale Plattformen kann auch Clubhouse zur Meinungsbildung genutzt werden. Politiker*innen etwa können sich vorstellen, die Nähe zu den Zuhörer*innen zu nutzen, zu informieren und diskutieren und so Wahlkampf zu betreiben. Natürlich eröffnet das potentiell auch Rechten eine freie Plattform, bisher wurden aber in diese Richtung wenig Inhalte erfasst.


Titelbild: Handy Hände App (c) pexels/Keira Burton CC-Lizenz

30. Januar 2021

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Hanna Griesenberg