Wie Geflüchtete an der Leuphana studieren
Titelblatt, Unikultur

Wie Geflüchtete an der Leuphana studieren

Trang Vo, Tom Schmidt und Jean Ngendahimana (v. l.) / (c) Carina Stelter
Trang Vo, Tom Schmidt und Jean Ngendahimana (v. l.) / (c) Carina Stelter

Seit dem Sommersemester 2015 haben Geflüchtete die Möglichkeit am Unialltag der Leuphana teilzuhaben, um eigene Kenntnisse eines vorangegangenen Studiums oder Berufes weiter auszubauen oder auch, um ganz neue Themenbereiche kennenzulernen. Mit der „Open Lecture Hall“dem „Bridging Program“ und dem „Buddy Program“ wurde ein Projekt ins Leben gerufen, das Geflüchteten die Türen der Leuphana öffnet. Die Idee dazu entstand nach einer Diskussion auf der Konferenzwoche vergangenen Jahres als Initiative vom AStA, Lehrenden, Studierenden und anderen Engagierten.

Leuphana für alle

Jeder, der noch seine ersten Tage an der Uni im Gedächtnis hat, wird sich wohl an die kleineren und größeren Momente der Verwirrung, Orientierungs- und Hilfslosigkeit erinnern können. Schon wieder zu spät im Seminar, weil Gebäude 3 sich so gut versteckt hat und wenn man dann endlich den Plan vom Hauptcampus hat, muss dieses „Rote Feld“ gefunden werden oder die richtige Abteilung in der Bibliothek. Und wie leiht man das Buch, das man aus dem Regal geholt hat dann überhaupt aus? Über helfende Hände freut sich wohl jeder, der neu an der Leuphana ist.

Open Lecture Hall, Bridging Program und Buddy-Program

Die Teilnahme an den Programmen steht allen geflüchteten Menschen offen, die eine Art von Ausweisdokument vorlegen können. Die Open Lecture Hall ist kein vollkommen neues Programm. Hier wurde der „Offene Hörsaal“ lediglich nun auch für Geflüchtete eingerichtet und umfasst daher das gleiche Kursangebot. Teilnehmende können als Gasthörer ganz ohne Druck Seminare an der Uni besuchen, um so einen Einblick in den Unialltag zu bekommen und ihre Sprachkenntnisse zu testen oder zu verbessern. Dabei sind sie von Studiengebühren befreit.
Das Brückenstudium (Bridging Program) ermöglicht den Geflüchteten sogar das Ablegen von Prüfungsleistungen, die ihnen dann mit einem Zertifikat bestätigt werden. Durch diese Chance handfeste Leistungsnachweise für Bewerbungen bei Arbeitgebern oder an Universitäten zu erhalten, erfreut sich besonders das Bridging Program großer Beliebtheit, während die Open Lecture Hall als Vorbereitung für das Brückenstudium gesehen werden kann.

Diese beiden Programme werden vom BuddyProgram ergänzt und abgerundet. Dieses hat zum Ziel Studierende der Leuphana mit Geflüchteten, die an der Open Lecture Hall oder dem Bridging Program teilnehmen, zusammenzubringen. Die Buddys unterstützen die Geflüchteten bei ihrem Einstieg in den Unialltag. Gemeinsam werden Schwierigkeiten bei der Kurswahl angegangen, Ausweise für Bibliothek und Mensa besorgt, erste Orientierungsprobleme auf dem Campus gemeistert und Kontakte zu Unimitarbeitern und Gleichaltrigen hergestellt.  Dass daraus aber auch weitaus mehr werden kann, beweisen die engen Freundschaften, die zwischen einigen Buddypartnern aus dem Sommersemester entstanden sind, Freundschaften die auch über die erste Laufzeit eines Semesters und Leuphana-Grenzen hinausgehen.

Seit diesem Wintersemester teilen sich eine wissenschaftliche Hilfskraft, die für das Bridging Program verantwortlich ist und zwei studentische Hilfskräfte, die die Open Lecture Hall, das Buddy-Program und die Öffentlichkeitsarbeit betreuen, die Koordination des Projekts. Zudem ist die Initiative Teil des ebenfalls 2015 ins Leben gerufenen Bündnisses „Hochschule ohne Grenzen“, das als freier Zusammenschluss die Aktivitäten der teilnehmenden Initiativen, Institutionen und Einzelpersonen koordiniert. Open Lecture Hall, Bridging- und Buddy Programm werden aus Praxiserfahrungen heraus sowie durch Rückmeldungen des Bündnisses stetig weiterentwickelt.

Engagement!

Derzeit sind mehr als 80 Geflüchtete und Studierende im  Buddy-Program aktiv. Immer wieder kommen motivierte Studierende und Geflüchtete dazu und neue Buddy-Teams können gebildet werden. Bei regelmäßigen Treffen in gemütlicher Atmosphäre werden neueste Infos ausgetauscht, organisatorische Fragen geklärt, Verabredungen getroffen, Kontakte geknüpft oder einfach muntere Gespräche geführt.

Wer schon seit Längerem mit dem Gedanken spielt, sich für Geflüchtete zu engagieren und sich eine Mitarbeit als Buddy vorstellen kann, kann sich noch bis zum 31. Januar unter buddyref@leuphana.de anmelden. Die Vorbereitungsworkshops finden Ende März statt. Neue Gesichter sind selbstverständlich immer gern gesehen.

Autorin: Sophie Godding

28. Januar 2016

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