Wenn Mensa-Geschirr fehlt, wird es teurer

An der Leuphana verschwindet regelmäßig Geschirr aus der Mensa. Teller oder Besteck mitzunehmen, um Geld zu sparen, wirkt zunächst harmlos. Doch was Einzelne im Kleinen sparen, kann für alle teuer werden. Oder ist der „Geschirrklau“ nur ein Vorurteil?

Erst kürzlich bekam die Universität Mainz viel Aufmerksamkeit: Zeitweise mussten Pommes vom Speiseplan gestrichen werden, weil zu viele Schälchen aus der Mensa verschwunden waren, wie Der Spiegel berichtete. Zudem fehlten innerhalb von vier Wochen 450 von 500 neu bestellten Kuchentellern. Der hohe Verlust an Mensa-Inventar ist dabei kein Einzelfall. An der Technischen Universität Braunschweig wurden innerhalb weniger Wochen rund 80 Designerstühle entwendet – und auch an der Leuphana ist verschwundenes Geschirr kein unbekanntes Problem.

„In der Mensa Lüneburg müssen wir zu Beginn des Semesters regelmäßig Besteck, Teller und kleine Schalen nachbestellen. Dieses Phänomen beobachten wir schon seit Jahren“, sagt Sophie Goes, stellvertretende Pressesprecherin des Studierendenwerks OstNiedersachsen. Die Nachkäufe lägen jährlich zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Darin enthalten sei allerdings nicht nur gestohlenes Geschirr, sondern auch das, was im Küchen- und Mensabetrieb zu Bruch gehe.

Fehlendes Geschirr macht Studieren teurer

Was zunächst harmlos wirkt, kann teuer werden. Wenn Teller, Besteck oder Schalen fehlen, muss das Studierendenwerk regelmäßig nachkaufen. In Mainz argumentierte das Studierendenwerk, dass Diebstahl die Preise und Semesterbeiträge in die Höhe treibe. Auch an der Leuphana hat fehlendes Geschirr finanzielle Folgen.

Die Finanzierung des Studierendenwerks wird überwiegend von den Studierenden selbst getragen – durch Mensaumsätze, Wohnheimmieten und Semesterbeiträge. Daraus werden neben dem Mensabetrieb auch Kinderbetreuung, psychologische Beratung und kulturelle Angebote finanziert. Die Landeszuschüsse sind in den vergangenen Jahren gesunken und machen nur noch rund sieben Prozent der Mittel aus. „Wenn wir mehr Geschirr kaufen müssen, zahlen das am Ende die Studierenden – über höhere Preise, höhere Beiträge oder Einschränkungen im Angebot. Mensagäste, die Geschirr mitnehmen, schaden allen Studierenden“, so Goes.

Wohin verschwindet das Geschirr?

„Häufig werden Tassen und Teller auf den Campus mitgenommen und landen später in Teeküchen oder Wohnheimzimmern“, vermutet Goes. Gespräche mit Studierenden bestätigen diese Einschätzung teilweise. Viele geben an, noch nie Geschirr oder Besteck mitgenommen zu haben. Andere berichten von Zeitdruck: „Man hat zwischen den Seminaren oft nur eine halbe Stunde. Wenn die Schlange lang ist, nimmt man das Essen mit – und manchmal bleibt das Besteck dann einfach in der Brotdose“, erzählt eine Studentin.

Doch auch finanzielle Gründe spielen für manche eine Rolle. „Geklaut habe ich nichts, aber ich war kurz davor, weil meine Mitbewohnerinnen beide zeitgleich ausgezogen sind und zu diesem Zeitpunkt auch noch der Semesterbeitrag um etwa 60 Euro erhöht wurde“, sagt eine andere Studentin. Später stellte sich jedoch heraus, dass Teller und Besteck gar nicht von ihnen stammten und vermutlich schon vor ihrer Zeit aus der Mensa verschwunden waren. Am Ende habe sie kein Geschirr mitgenommen – der Gedanke sei aber da gewesen.

Individuelles Fehlverhalten oder Ausdruck finanzieller Belastung?

Auch das Studierendenwerk bestätigt, dass viele Studierende finanziell stark belastet sind. Dennoch, so Goes, lasse sich gebrauchtes Geschirr günstig kaufen – Diebstahl löse keine Probleme, sondern schaffe neue. Um gegenzusteuern, organisiert das Studierendenwerk regelmäßig Rückrufaktionen. So findet manches Geschirr, das eher „ausgeliehen“ als gestohlen wurde, den Weg zurück – besonders aus Teeküchen auf dem Campus.


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