Eine Mitarbeitendenweihnachtsfeier, zu der die studentischen Mitarbeiter*innen nicht eingeladen wurden ist nur die Krönung und steht symbolisch für die unfairen Arbeitsverträge, die Unterbezahlung und die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit.
Am Mittwoch, 10. Dezember 2025, gegen 18:30 Uhr versammelte sich der Großteil der Mitarbeitenden der Leuphana im Zentralgebäude (ZG) auf dem Campus, um an der offiziellen Weihnachtsfeier teilzuhaben. Nach der Rede des Unipräsidenten und gebratener Ente oder ihrem vegetarischen Pendant warteten alle darauf, dass die Tanzfläche eröffnet wird. Nicht dabei waren all die Mitarbeitenden, die zusätzlich auch Studierende an der Universität sind. Grund dafür war weder Zeitmangel noch Desinteresse: Die studentischen Hilfskräfte (SHKs) wurden nicht zu der Feier eingeladen.
Von ihnen wurde eine eigene kleine Weihnachtsfeier organisiert, mit dem Aufruf vorher einen kurzen Protest vor dem Zentralgebäude abzuhalten. Damit wollten sie nicht nur auf ihren Ausschluss von der offiziellen Feier aufmerksam machen, sondern auf die generelle Behandlung der SHKs im Gegensatz zu den restlichen Mitarbeitenden.
Die studentischen Hilfskräfte machen fast ein Drittel der Beschäftigten an der Leuphana aus (Stand 2024). Sie übernehmen verwaltende, assistierende oder wissenschaftliche Aufgaben – trotzdem trennt sie einiges vom Rest der Mitarbeitenden: Sie bekommen nur ein Sechstel Ihrer Krankentage erstattet. Bei einer Sechs-Tage-Woche bedeutet das, dass sie sich bei einem tatsächlichen Krankentag die ganze Woche krankschreiben lassen müssten, um nichts nacharbeiten zu müssen. Zudem sind ihre Verträge meist auf zwölf Monate befristet. Auch im Personalrat sind sie nicht vertreten.
Eine der Protestteilnehmenden beschreibt die Arbeit, die sie verrichten, als essentiell, ohne jedoch wettbewerbsfähig entlohnt zu werden – in der freien Wirtschaft würden Arbeitskräfte für die gleiche Arbeit einen höheren Stundensatz bekommen. Teilweise, so fügt ein anderer hinzu, würden die SHKs sogar als Sachmittel abgerechnet.
Etwa 30 Studierende gruppierten sich gegen 18 Uhr zunächst vor Gebäude 14 und liefen dann zum Zentralgebäude. Ihren Protest zeigten sie mit Plakaten mit Aufschriften wie “Wir müssen draußen bleiben” und einer Zeichnung eines durchgestrichenen Hundes oder “Stille Nacht? Heute nicht!”. Danach hielten sie einen kurzen Protest vor dem Eingang ab, bei dem ein Tarifvertrag für die studentischen Beschäftigten gefordert wurde. Diese Forderungen setzte eine kurze Ansprache des AStA-Sprechers in Kontext, indem er auf die (oben genannten) Missstände ihrer Arbeitsrealität hinwies. Er erklärte: “Wir wollen ernst genommen und wertgeschätzt werden, doch die Leuphana spendiert uns nicht einmal einen Glühwein.” Während dieser Rede verriegelte der Sicherheitsdienst die Türen und sendete damit ein deutliches Zeichen: Ihr seid hier nicht erwünscht.
Doch ist die fehlende Weihnachtsfeier nicht der Kernpunkt der Unzufriedenheit der SHKs. Vielmehr geht es den Studierenden darum, nicht mehr wie Arbeitskräfte zweiter Klasse behandelt zu werden. “Wir bestreiten mit dieser Arbeit [neben einem Studium] unseren Lebensunterhalt und die meisten sehen uns nur als Studis, die ein bisschen mithelfen”, erklärt einer der Anwesenden. Daher wurde laut AStA-Sprecher statt des Glühwein-Standes, der in den letzten zwei Jahre von den Protestierenden vor dem ZG aufgebaut wurde, dieses Jahr ein kleiner Protestmarsch und eine “Weihnachtsfeier zweiter Klasse” im WoZi organisiert.
Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) war durch einen ihrer SHKs vertreten, die betonte, wie wichtig faire Bezahlung und Arbeitsbedingungen für junge Studierenden seien, da diese den Standard für das restliche Berufsleben prägen würden. Daher setze die GEW vermehrt auf die Vernetzung und Unterstützung der Studierenden, um über Rechte und Handlungsspielräume der studentischen Arbeitskräfte aufzuklären.
Viele Studierende fragen sich jedoch, woran die unfaire Behandlung liegt. Denn mit ihren direkten Vorgesetzten oder Kolleg*innen haben sie ein gutes Arbeitsverhältnis. Zum Teil boykottieren diese in Solidarität die Weihnachtsfeier ganz oder nehmen als Begleitung eine ihrer SHKs mit auf die Feier, damit zumindest eine Person stellvertretend in den Genuss der Festivitäten kommen kann. Doch damit sind die Beschwerden nicht vom Tisch. Die studentischen Hilfskräfte bleiben dennoch eine ungesehene Arbeitskraft, ohne die viele Abläufe schlicht unmöglich wären. Ihren Protest vor der Weihnachtsfeier nahmen sie daher als Anlass, auf den bundesweiten Streik aller studentischer Hilfskräfte am 28. Januar 2026 aufmerksam zu machen, bei dem ein Tarifvertrag gefordert wird, mit dem Sie Ihre Arbeitsbedingungen selber mitbestimmen können. Das Banner mit der Aufschrift “Erfahrung bezahlt nicht meine Miete – TVSTUD jetzt” war dafür nur der Auftakt.
Foto: Stina Fisahn
