Leuphana Zentralgebäude - 2017 - Christopher Bohlens

Was uns 2023 erwartet

Eine Vorschau auf die Themen, die 2023 auf die Studierenden an der Leuphana kommen werden. Unterm Strich, bleibt eins zu sagen: Es wird teuer und nie langweilig.

Wiederaufnahme 2023 – Wie geplant?

Wird die Universität wie geplant am 05.01.2023 wieder regulär den Betrieb aufnehmen oder wird kurzfristig eine zusätzlich erweiterte Betriebsruhe bis Mitte Januar verkündet? Der ehemalige Wissenschaftsminister Björn Thümler von Niedersachsen (bis November 2022) brachte dies im Juli ins Gespräch, die Hochschulen länger zu schließen, um Energie einzusparen. Die Hochschulen hatten dies am Anfang noch begrüßt und haben dann später ihre Meinung geändert. Bisher sei eine verspätete Wiederaufnahme unwahrscheinlich, aber die Wetterlage könne sich noch ändern, insbesondere dann, wenn es zweistellige Minusgerade gibt, die zu einem erhöhten Energieverbrauch führen. Wie sehr die Leuphana vom Gas abhängt, haben wir berichtet.

RPO Änderung, Protest und Petition

Die geplante Änderung der Rahmenprüfungsordnung (RPO) wurde vom Dezember in den Januar verschoben. Derzeit machen die Studierendenvertreter:innen mobil gegen die geplanten Änderungen. Eine aktuelle Petition hat mittlerweile rund 3.000 verifizierte Unterschriften von Leuphana Studierenden. Es gibt derzeit rund 9.000 Studierende, wobei rund 1.500 Studierende der bezahlten Studiengänge der Leuphana Professional School nicht betroffen sind von der Änderung. An der Professional School soll es keine Anwesenheitspflicht, härtere Anmeldefristen oder konsekutiv aufeinander aufbauende Module geben, hier bleibt alles wie bisher.
Dies macht eine Beteiligungsquote von rund 40 % (bei der Annahme von 7.500 Studierende) in den Bachelor und Master-Studiengängen aus. Notwendig gewesen wären sogar nur 3 % (§ 20a NHG – Studierendeninitiative).

Einsparungen für die Folgejahre

Schließlich bringt die Energiekrise auch erhöhte Beschaffungskosten für Energie mit sich. Kosten, die das Land und die Hochschulen an anderer Stelle wieder einsparen müssen. Hier stellt sich die Frage, ob die Hochschulen mit zusätzlichen Mitteln vom Land oder Bund ausgestattet werden, um diese erhöhten Kosten zu kompensieren. Sachverständige forderten bereits in einer Anhörung im Bundestag nach einem Härtefallfond auch für Hochschulen.

Energiepreispauschale für Studierende – 200 Euro

Nachdem Arbeitnehmer:innen und Rentner:innen schon eine Energiepreispauschale von 300 Euro erhalten haben in den letzten Monaten, sollen auch Studierende in 2023 eine Pauschale von 200 Euro bekommen. Derzeit wird noch ein Portal und Prozess erarbeitet, wie die Prüfung und Auszahlung erfolgen kann. Der Termin, wann es startet, ist bisher unklar. Die letzten Schätzungen gehen vom ersten Quartal in 2023 aus.

Mensen und Studentenwohnheime

Die Energiekosten und Lebensmittelkosten sind gestiegen, die Studentenwerke in Niedersachsen erhalten über zwei Jahre insgesamt 30 Millionen Euro. Darunter ist auch neu die Einführung eines 2,50 Euro Menüs (Niedersachsen-Menü) für Studierende sowie die Zusage, dass die Betriebskostenpauschalen 2023 nicht erhöht werden. Es erfolgt ab 01. Februar 2023 sogar eine Senkung um 50 Euro der Betriebskostenpauschale beim Studentenwerk OstNiedersachsen.

Nothilfefond für Studierende

In dem Paket für 30 Millionen Euro können auch die Studentenwerke Nothilfefonds einrichten. Mit dem freiwilligen und zusätzlichen Spendenlauf #leupht im Mai 2021 kamen rund 5.000 Euro zusammen. Der Nothilfefond wird um 860.000 Euro erhöht.

Mieten und Betriebskosten

Aufgrund der Inflation und der Energiekrise werden auch in 2023 die Mieten und Nebenkosten steigen. Das Studentenwerk OstNiedersachsen erhält durch das Land eine Förderung. Die privaten Anbieter wie Campus Wohnen oder Mondial Campus erhalten keine Förderung und werden die Kosten vermutlich auf die Bewohner:innen umlegen. Gleiches gilt für Wohnungsunternehmen oder private Vermieter.

Angespannter Wohnungsmarkt

Auch der Wohnungsmarkt in Lüneburg bleibt weiter angespannt. Gerade zu Semesterbeginn fällt es schwer, eine Wohnung bzw. ein WG-Zimmer zu finden. Ende August wurde die Zahl von knapp 1 Million Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland genannt. Die Plätze in Notunterkünften werden derzeit knapp, die Stadt und der Landkreis Lüneburg mieten immer mehr Flächen an. Insgesamt belastet es den Wohnungsmarkt zusätzlich mit der hohen Anzahl an Wohnungssuchenden.

Zukunft des Semestertickets

Ab voraussichtlich April 2023 kommt das 49-Euro-Ticket, womit jeder ÖPNV und Nahverkehr genutzt werden kann. Das Semesterticket kostet aktuell 88,60 Euro für sechs Monate. Vor Corona kostete es rund 138 Euro, wo die Tickets deutlich mehr genutzt wurden. Die Frage ist, ob wegen der Nähe von Lüneburg zu Hamburg auch noch in Zukunft das Semesterticket Lüneburg eine Zukunft haben oder ob die Studierendenschaft das Semesterticket kündigen wird. Dies könnte eine Urabstimmung aller Studierenden der Leuphana bei den nächsten Hochschulwahlen ermöglichen. Damit steht es den Studierenden dann frei, 294 Euro (6*49) statt 88,60 Euro zu bezahlen. Dadurch können sie pro Semester mehr Leistungen erhalten und um das deutschlandweit gültige Angebot im Nahverkehr und ÖPNV jeder Stadt zu nutzen. Studierende, die keinen ÖPNV benötigen könnten somit Geld sparen, wenn sie gar kein Ticket mehr haben.

Mobilitätsausschuss – Beseitigung von Mikromängeln im Bus- und Radverkehr

Nachdem der AStA die Chancen zur Beteiligung im Mobilitätsausschuss der Hansestadt Lüneburg in der Vergangenheit vertan hatte, liegt nun ein Antrag vor, der die aktuellen Mängel im Bus- und Radverkehr behandeln sollte. Dieser beruht auf einer Bachelor-Thesis unter dem Titel: „Attraktivitätssteigerung des ÖPNV durch die Beseitigung von infrastrukturellen Hindernissen“. Der Antrag wurde jedoch auf die nächste Sitzung vertagt.

Änderung des Verwaltungskostenbeitrags

Kurz vor Ende der Legislatur der Regierung in Niedersachsen gab es eine Anhörung im Petitionsausschuss des Landtags. Thema war, ob das Verwaltungskostenbeitrag von 75 Euro pro Semester abgeschafft werden könnte, und um gleichzeitig die Zuschüsse für die Studentenwerke zu erhöhen. In 2023 wird sich der neue Petitionsausschuss wieder damit beschäftigen.

Wiedereröffnung vom Hörsaalgang

Die Eröffnung vom Hörsaalgang verzögerte sich bereits mehrmals um Monate. Ob nach der Sanierung jemals wieder eine Hörsaalgangparty (HSGP) der Fachschaft BEM stattfinden wird, bleibt offen. Die Frage nach einer studentische Party in einem frisch renovierten Teil der Universität bleibt offen.

Hochschulentwicklungsplan

Der Hochschulentwicklungsvertrag und Zielvereinbarungen zwischen den Hochschulen in Niedersachsen und dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) wurde von 2019 bis 2021 niedergeschrieben. Ende 2021 erfolgte die Verlängerung bis Ende 2023. Somit eine Brückenlösung. Daher werden in 2023 die Verhandlungen zwischen den Hochschulen und dem Ministerium geführt, wohin die Reise für die Leuphana geht. Darunter auch die Einrichtung und Schließung von Studiengängen.

Elite-Uni Niedersachsen

Nach Wünschen des Wissenschaftsministers Falko Mohrs, soll es eine Elite-Uni in Niedersachsen geben. In der Vergangenheit hatten sich bereits zwei Hochschulen aus Niedersachsen im Verbund erfolglos beworben sowie eine weitere Hochschule. Die Leuphana war nicht dabei. Wird die Leuphana hier einen Anlauf unternehmen?

Hochschulwahlen 2023

Auch 2023 werden wieder Hochschulwahlen stattfinden. So wird ein neues Studierendenparlament (StuPa), Fachgruppen-Vertretungen (FGV) und die Studentischen Mitglieder im Fakultätsrat und Hochschulsenat gewählt. Die Univativ versucht wieder einen Wahl-Bot (ähnlich Wahl-o-Mat) für die StuPa-Wahl auf die Beine zu stellen. Ob es eine Urabstimmung für das Semesterticket geben wird, ist offen, wäre aber möglich.

Neues Campus-Management-System – Goodbye myStudy

Die Leuphana wird ein neues Campus-Management-System einführen und ihr eigenentwickeltes System myStudy begraben. Auch werden die System von HIS wie QIS und HIS-POS abgeschaltet werden. Das neue System „CampusONLINE“ kommt aus Graz (Österreich) und wird an der Leuphana „myCampus“ heißen.

Hackerangriffe auf Hochschulen

Immer wieder kommt es zu Hackerangriffen auf Hochschulen in Deutschland. In der jüngsten Zeit waren mehrere Hochschulen betroffen. Unter anderem die Hochschule Heilbronn, deren System verschlüsselt worden sind und die Hacker Lösegeld fordern. Wie viele andere Hochschulen und Unternehmen auch, war die Leuphana 2022 in einem System durch automatisierte Angriffe betroffen und Daten sind abgeflossen. Wie wird es 2023 aussehen?

Rückerstattung des Semestertickets wegen des 9-Euro-Tickets

Bis zum 31.12.2025 läuft noch die Möglichkeit, beim AStA sich anteilig Kosten (51,84 Euro) des Semestertickets für das 9-Euro-Ticket zurückerstatten zu lassen. Wie viele Studierende dies bereits in Anspruch genommen haben, ist nicht bekannt. Wie viel Geld die Studierendenschaft hier der AStA am 01.01.2026 als zusätzliche Mehreinnahmen haben wird, bleibt offen. Auf der Webseite beim AStA ist der Hinweis prominent auf der Startseite auf Rückerstattung zu finden. Auf myStudy gibt es hingegen keinen Hinweis auf der Startseite für eine Rückerstattung. Wenn rund 10 % die Rückerstattung vergessen, spielt es rund 45.000 Euro in die Kasse der Studierendenschaft ein.

Neue Kooperationen

Welche neuen Kooperationen wird es 2023 zwischen der Leuphana und der Wirtschaft geben? Schon jetzt gibt es Studiengänge in Kooperation mit Unternehmen, wie Dr. Bannas und der Tax Law Studiengang an der Leuphana Professional School, oder SPONSORS / Deutsche Fussball Liga – DFL und dem Weiterbildungsprogramm „Nachhaltigkeit in Sportorganisationen„. Auch bei der Jobmesse waren einige Aussteller dabei mit zweifelhaften Ruf, wie beispielsweise Mitarbeit in der Rüstungsindustrie.

Zusammenarbeit mit China

Die bisherigen Austauschprogramme und weitere Kooperationen der Leuphana mit China können 2023 auf dem Prüfstand stehen. Derzeit gibt es sieben Programme mit der VR China, davon drei mit Hong Kong. Seit Jahren führt die Professional School eine China Summer School durch. Über die Zuwendungen und den Einfluss von China auf deutsche Hochschulen hatten wir berichtet. Die Bundesbildungsministerin rief zuletzt zu mehr „Wachsamkeit“ auf. Über Militärische Forschungskooperationen wurde berichtet.

Saubere Finanzen beim AStA

Das die Abrechnung vom Semesterticket keine einfache Kiste ist, haben wir berichtet. Der letzte Schaden von rund 110.000 Euro konnte dank einer Versicherung auf die Hälfte reduziert werden. Der Restschaden von 56.132,48 Euro wurde durch die Rücklagen der Studierendenschaft übernommen. Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass es zuverlässiger, transparenter und verantwortungsvoll läuft. Einen Kommentar mit Lehren für die Zukunft hatten wir geschrieben.

Rücklagen beim AStA / Studierendenschaft

Weil während der Corona-Pandemie die Studierendenschaft weniger Geld ausgegeben hat und weil sich über die Jahre hinweg viel Geld angespart hat, ist der Rücklagentopf sehr gut gefüllt. Aus dem Kreis des StuPas waren Zahlen wie eine halbe Million Euro bis hin zu 750.000 Euro zu hören. Bisher gibt es kein Konzept, wie das Geld verwendet werden soll oder ob sogar eine Rückzahlung möglich sei. Andere Studierendenschaften haben es schnell geschafft, Geld zu verbrennen. Ein Thema für 2023.

Zeitenwende

Ist die Zivilklausel an den deutschen Hochschulen noch zeitgemäß? Die Leuphana hat am 20.11.2013 vom Senat folgende Leitlinie beschlossen, diese ist aber formal unverbindlich:

„Präambel
Angesichts der Gefahren für die natürlichen Grundlagen des Lebens und wachsender Ungleichheit unter Menschen und Gesellschaften sowie in der Verantwortung, auch zukünftigen Generationen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, weiß sich die Leuphana Universität Lüneburg in Verbindung mit dem Artikel 20a des Grundgesetzes über den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen dem Grundsatz einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet. […] Die Leuphana Universität Lüneburg bekennt sich zu ihrer Verantwortung gegenüber Region und Gesellschaft und treibt einen regionalen wie auch globalen Nachhaltigkeitsprozess voran. In diesem Sinne sollen Lehre, Forschung und Studium an der Universität friedlichen Zwecken dienen.“

Eine Diskussion, ob und in wie fern auch an den Hochschulen militärisch geforscht werden kann, oder die Verwendung von Dual-Use-Güter, könnte in der Zukunft stattfinden.

Satire und Memes

Auch in 2023 wird die Univativ die sozialen Kanäle mit Memes befeuern. Entsprechend sind wir auf neue Entwicklungen gespannt, die sich im Bereich der Satire ansiedeln. Wann wird endlich der ICE-Bahnanschluss vom Zentralgebäude als „Leuphana 21“ realisiert, wann kommt das Leuphana-Band zur Kontrolle und Überwachung eines positiven Lernerfolgs. Oder wird mit dem neuen Campus-Management-System eine sekundengenaue Überwachung aller Aktivitäten stattfinden. Wird die Leuphana dem elitären Nachwuchs erlauben schon frühzeitig ein Social Freezing mit einer Kostenübernahme gewährleisten. Wann kommen die Leuphana-Uniformen?

Univativ als Printausgabe

Nachdem wir schon eine Sonderausgabe zur RPO-Reform herausgebracht haben und am Campus verteilt haben, halten wir am Ziel fest, 2023 eine Printausgabe herauszubringen. Wer in unser Archiv schaut, sieht die letzte Ausgabe 73 aus 2013. Somit wollen wir nach 10 Jahren wieder in den Print gehen.

Berichte

Besonders freuen wir uns auf die Berichte vom Landesrechnungshof Niedersachsen, dem Bund der Steuerzahler und schließlich den Landtagsdrucksachen. Immer wieder gibt es erfreuliche Berichte und Überraschungen über die Leuphana.


Foto: Leuphana Zentralgebäude – 2017 – Christopher Bohlens
Der Artikel gibt den aktuellen Stand am 23.12.2022 wieder.

Christopher Bohlens

Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltungen, wo es so richtig kracht. Liebt investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.

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