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Vier Wahlen, ein Sonntag: Der Überblick zur Kommunalwahl in Lüneburg

Am 13. September wird in Lüneburg gleich viermal gewählt: Stadtrat, Kreistag, Oberbürgermeister:in und Landrat:in stehen an einem Tag zur Abstimmung. Acht Personen wollen ins Rathaus, drei ins Kreishaus, dazu insgesamt zehn Parteien in den Stadtrat und bis zu zwölf Listen in den Kreistag. Ein Kandidat wurde vom Kreiswahlausschuss aus dem Rennen genommen. Die Univativ hat Fristen, Kandidat:innen und Wahlvorschläge zusammengetragen.

Wer am 13. September 2026 in Lüneburg wählen geht, bekommt mehr als einen Stimmzettel in die Hand gedrückt. Neben der allgemeinen Kommunalwahl – also der Wahl des Stadtrats und des Kreistags – finden zeitgleich die Direktwahlen der Oberbürgermeisterin oder des Oberbürgermeisters der Hansestadt sowie der Landrätin oder des Landrats des Landkreises Lüneburg statt. In Oedeme und Ochtmissen kommt zusätzlich die Wahl zum Ortsrat hinzu. Reicht bei den beiden Direktwahlen keine Mehrheit, folgt am 27. September eine Stichwahl.

Wer wählen darf

Wahlberechtigt sind deutsche und EU-Staatsangehörige, die am Wahltag mindestens 16 Jahre alt sind, seit mindestens drei Monaten in Lüneburg wohnen und in ein Wählerverzeichnis eingetragen sind oder einen Wahlschein besitzen. Für das passive Wahlrecht zum Stadt- und Kreistag gilt ein Mindestalter von 18 Jahren; wer für das Amt der Landrätin oder des Landrats kandidieren will, muss zwischen 23 und 67 Jahre alt sein.

Die wichtigsten Fristen auf einen Blick

Frist Datum
Zustellung der Wahlbenachrichtigungen bis spätestens 21. August 2026
Beantragung von Briefwahlunterlagen bis Freitag, 11. September, 13 Uhr (bei plötzlicher Erkrankung bis Wahltag, 15 Uhr)
Ausstellung/Versand der Briefwahlunterlagen voraussichtlich ab der 34. Kalenderwoche (sobald die Stimmzettel vorliegen)
Wahl im Wahllokal Sonntag, 13. September 2026, 8–18 Uhr
Mögliche Stichwahl (OB und Landrat) Sonntag, 27. September 2026

Die Briefwahlunterlagen für die städtischen Wahlen lassen sich schon jetzt beantragen, ausgestellt werden sie aber erst, sobald die Stimmzettel gedruckt sind. Wer im Landkreis außerhalb der Hansestadt wohnt, beantragt die Briefwahl nicht beim Wahlbüro der Stadt, sondern bei der jeweiligen Wohnortgemeinde.

Die Wahl zur Oberbürgermeisterin/zum Oberbürgermeister

Acht Personen bewerben sich um das Lüneburger Rathaus, darunter Amtsinhaberin Claudia Kalisch. Die Reihenfolge entspricht der auf dem Stimmzettel.

Nr. Name Vorschlag Website/Kontakt
1 Claudia Kalisch Einzelwahlvorschlag Persönliche Wahlseite · Instagram · Facebook
2 Andrea Schröder-Ehlers SPD Persönliche Website · Instagram · Facebook
3 Patrick Pietruck CDU patrick-pietruck.de · Instagram
4 Frank Soldan FDP Persönliche Wahlseite · Instagram · Facebook
5 Thorben Peters Die Linke dielinke-lueneburg.de · Instagram · Facebook
6 Mats Dedow Die PARTEI die-partei.de
7 Heiko Meyer Die Unabhängigen meyer-lueneburg.de · Instagram · Facebook
8 Michèl Pauly Volt Profil bei Volt Niedersachsen · Instagram · Facebook · Threads

Die AfD verzichtet in Lüneburg auf eine eigene OB-Kandidatur. Für die SPD war ursprünglich Oliver Wozniok nominiert, der seine Kandidatur im Juni aus gesundheitlichen Gründen zurückzog; Andrea Schröder-Ehlers übernahm daraufhin.

Die Wahl zur Landrätin/zum Landrat

Amtsinhaber Jens Böther (CDU) tritt aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut an. Für seine Nachfolge waren zunächst vier Bewerbungen eingegangen, zugelassen hat der Kreiswahlausschuss am 29. Juli drei:

Name Vorschlag Beruf/Wohnort Website
André Schuler SPD Verwaltungsbeamter, Embsen andre-schuler.de · Instagram
Steffen Gärtner CDU Samtgemeindebürgermeister Gellersen steffen-gaertner.de · Instagram · Facebook
Torsten Franz Grüne IT-Manager, Lüneburg franz26.de · Instagram

Nicht zugelassen wurde der Wahlvorschlag von Stephan Bothe (AfD), Mitglied des Niedersächsischen Landtags und stellvertretender Landesvorsitzender seiner Partei. Der Kreiswahlausschuss entschied mit 6 zu 1 Stimmen gegen seine Zulassung zur Landratswahl im Landkreis Lüneburg am 13. September. Grundlage ist eine seit April 2026 geänderte Vorschrift im Niedersächsischen Kommunalwahlgesetz, wonach bei Zweifeln an der Verfassungstreue von Bewerberinnen und Bewerbern um das Amt einer Landrätin oder eines Landrats auch Erkenntnisse des Verfassungsschutzes herangezogen werden können. Im Fall Bothe lagen dem Ausschuss eine Stellungnahme des Niedersächsischen Innenministeriums sowie eine Gegenäußerung des Kandidaten vor; die Mehrheit sah begründete Zweifel daran, dass Bothe die erforderliche Gewähr biete, jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzustehen.

Bothe ging im Eilverfahren gegen seine Nichtzulassung vor und machte unter anderem formelle Fehler bei der Sitzung des Kreiswahlausschusses geltend. Das Verwaltungsgericht Lüneburg wies seinen Antrag am 17. August jedoch ab (Az. 1 B 76/26). Entscheidungen, die unmittelbar das Wahlverfahren betreffen, könnten grundsätzlich erst nach der Wahl im Rahmen eines Wahlprüfungsverfahrens gerichtlich überprüft werden; ein vorgelagerter Rechtsbehelf sei nur sehr eingeschränkt möglich. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig, Bothe kann Beschwerde beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht einlegen.

Nach der Wahl kann er zudem über einen Wahleinspruch eine Überprüfung erreichen; bei einem erfolgreichen Wahlprüfungsverfahren könnte die Wahl gegebenenfalls für ungültig erklärt und das Ergebnis korrigiert werden. Von seiner Kreistagskandidatur im Wahlbereich 3 (Amelinghausen/Gellersen/Ilmenau) ist die Nichtzulassung zur Landratswahl nicht betroffen – dort steht er weiterhin auf dem Stimmzettel.

Vergleichbare Fälle gibt es 2026 auch in anderen niedersächsischen Landkreisen: So wurde etwa der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Sichert im Landkreis Friesland nicht zur Landratswahl zugelassen; auch seinen Eilantrag wies das Verwaltungsgericht Oldenburg am 17. August ab.

Der Stadtrat: 42 Sitze, zehn Parteien

Für die vier Wahlbereiche der Hansestadt (Nordwest, Nordost, Südwest, Südost) hat der Gemeindewahlausschuss am 22. Juli insgesamt 39 Wahlvorschläge mit 194 Bewerber:innen zugelassen. Zur Wahl stehen, je nach Wahlbereich in unterschiedlicher Zahl:

Partei Website Social Media
SPD spd-lueneburg.de Instagram · Facebook
CDU cdu-lueneburg.de Instagram · Facebook
Bündnis 90/Die Grünen gruene-lueneburg.de Instagram · Facebook
FDP fdp-lueneburg.de Instagram · Facebook
Die Linke dielinke-lueneburg.de Instagram · Facebook
AfD afd-lueneburg.de Instagram · Facebook
Die PARTEI die-partei.de
Volt volteuropa.org/de
BSW ni.bsw-vg.de Instagram · Facebook
dieBasis diebasis-niedersachsen.de Instagram · Facebook

Laut vorläufiger Übersicht der Hansestadt traten zum Meldeschluss die SPD mit 56, die Grünen mit 50 und die CDU mit 25 Bewerber:innen an, gefolgt von FDP (21), Linke (18), PARTEI (7), AfD (6), Volt (5), BSW (4) und dieBasis (3). Diese Zahlen summieren die Bewerber:innen über alle vier Wahlbereiche – nicht jede Partei tritt dabei auch in jedem einzelnen Wahlbereich mit einer eigenen Liste an.

Für die Ortsratswahlen treten in Ochtmissen die Wählergemeinschaft für Ochtmissen und dieBasis an, in Oedeme SPD, CDU, Grüne, FDP und dieBasis.

Der Kreistag: 58 Sitze, fünf Wahlbereiche, zwölf Wahlvorschläge

Der Kreistag ist in fünf Wahlbereiche eingeteilt: Hansestadt Lüneburg Nord, Hansestadt Lüneburg Süd, die Samtgemeinden Amelinghausen/Gellersen/Ilmenau, die Gemeinde Adendorf mit den Samtgemeinden Bardowick/Ostheide sowie der Bereich Bleckede/Amt Neuhaus/Dahlenburg/Scharnebeck. Nicht jede Partei tritt in jedem der fünf Bereiche an; die vollständigen Namenslisten hat die Kreiswahlleitung im Amtsblatt veröffentlicht (siehe unten). Die für die Kreistagswahl zugelassenen Wahlvorschläge – die Kreisverbände unterscheiden sich bei den meisten Parteien von den städtischen Verbänden nicht, haben aber teils eigene Kanäle:

Partei/Gruppierung Website Social Media
SPD spd-lueneburg.de (Kreisverband) · spd-kreistagsfraktion-lueneburg.de (Fraktion) Instagram · Facebook
CDU cdu-lueneburg.de (Kreisverband) Instagram · Kreistagsfraktion: Instagram
Bündnis 90/Die Grünen gruene-lueneburg.de/kreisverband Instagram · Facebook
FDP fdp-lueneburg.de (Kreisverband) Instagram · Facebook
AfD afd-lueneburg.de (Kreisverband) Instagram · X
Die Linke dielinke-lueneburg.de (Kreisverband) Instagram · Facebook
Kreisgemeinschaft unabhängiger Wählergemeinschaften (Die Unabhängigen) die-unabhaengigen-lg.de
Die PARTEI partei-lueneburg.de (Kreisverband) Instagram · Facebook
dieBasis diebasis-dan-lg.de (Kreisverband Lüchow-Dannenberg–Lüneburg)
BSW bsw-vg.de/partei/landesverbaende (Landesverband Niedersachsen; lokaler Kreisverband nicht eigenständig auffindbar)
FREIE WÄHLER Niedersachsen ni.freiewaehler.eu (Landesvereinigung; tritt nur im Wahlbereich 5 an) Facebook
Volt voltdeutschland.org Regionalteam Winsen/Lüneburg: Instagram

Zum Vergleich: 2021 zogen SPD (18 Sitze), CDU (16), Grüne (10), AfD (5), Linke (4), FDP (3) und Die Unabhängigen (2) in den Kreistag ein; Die PARTEI und dieBasis kamen mit je einem Sitz neu hinzu.

Weitere Informationsangebote

Amtlich:

Journalistisch:

Einordnung und Diskussion:

  • Am 2. Juli luden das Leuphana Policy Lab, die DGB Jugend Lüneburg und das AStA-Referat PFUI zu einer Podiumsdiskussion mit den OB-Kandidat:innen Kalisch, Schröder-Ehlers, Pietruck, Meyer und Peters ein – mit Fragen speziell zu studentischen Themen wie Wohnen, Nahverkehr und Klimaneutralität. Details zur Veranstaltung: Leuphana-Ankündigung
  • Ein klassischer Wahl-O-Mat ist für die niedersächsischen Kommunalwahlen 2026 bislang nicht angekündigt; nach Angaben des gemeinnützigen Anbieters Voto gegenüber KOMMUNAL fehlt es an einem flächendeckenden Angebot für alle Kommunen. Wer trotzdem eine inhaltliche Orientierungshilfe sucht, ist auf den oben verlinkten Wahlcheck des Klimaentscheids Lüneburg sowie auf die Wahlprogramme der einzelnen Parteien verwiesen.

Bild: Braunes und weißes Betongebäude tagsüber – Philipp Deus (@deuspix) – Unsplash

Christopher Bohlens

Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltungen, wo es so richtig kracht. Liebt investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.

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