Toxische Männlichkeit und Kommunalpolitik: Ein Einblick in die QuARG-Ringvorlesung

Warum ist ausgerechnet die Hyäne das Symbol der diesjährigen QuARG-Ringvorlesung? Und was haben toxische Männlichkeit und die anstehende Kommunalwahl für eine Bedeutung in den Veranstaltungen? Zur Halbzeit der Ringvorlesung sprechen die Organisator*innen über Motivation, politische Ziele und die Bedeutung queerfeministischer Räume an der Leuphana.

Die Ringvorlesung des queerfeministischen AStA-Referates der Uni (QuARG) findet aktuell statt. Das diesjährige „Ringvorlesungs-Tier“: die Hyäne. Auf Instagram begründet QuARG die Wahl mit den matriarchalischen Sozialstrukturen der Tiere: Weibliche Hyänen seien oft größer als die Männchen und besitzen einen sogenannten Pseudopenis. Somit stehe die Hyäne für Stärke, Selbstbestimmung, die Infragestellung patriarchaler Strukturen und der Durchbrechung von binärem Geschlechterdenken. Insgesamt zehn Veranstaltungen und Workshops sind geplant. Es ist kurz nach Halbzeit, vier Events stehen noch an. Darunter ein Workshop über toxische Männlichkeit am Montag, den 22. Juni, und ein Workshop zur Kommunalpolitik in Lüneburg am Donnerstag, den 25. Juni. Für die im Juni kommende Podiumsdiskussion des PolicyLabs mit den Kommunalkandidat*innen sollen im Workshop zur Kommunalpolitik queerfeministische Fragen gesammelt werden. QuARG-Mitglied Lyth und Referentin Sarah vom Politikreferat PFUI verraten im Interview die Motivation hinter der jährlichen Ringvorlesung und was der Workshop zur queerfeministischen Kommunalpolitik beitragen kann.

Univativ: Seit wann gibt es die QuARG-Ringvorlesung und was war die Motivation?

Lyth: Bestimmt schon seit 2021, wenn nicht sogar länger. Leider war ich damals nicht dabei. Meine Motivation mich 2024 als Referentin zu bewerben, war es die Strukturen zu erhalten und zu nutzen. Wir haben ein enormes Privileg als Institution Mittel, Reichweite und Macht nutzen zu können. Die Ringvorlesung ist der Versuch Bühnen zu schaffen, auf die sich Menschen stellen können. Dabei erhoffe ich das Erschaffen eines Schauspiels, nach den Wünschen eines queerfeministischen Publikums. Ich will über meine Machtposition als Referentin hinaus, dieses Privileg nutzen, Räume und Angebote für Kultur, Wissen, Austausch, Community, Sichtbarkeit und Empowerment für Menschen zu schaffen. Zudem können wir außerhalb kapitalistischer Strukturen, Menschen fördern und unterstützen, die in diesem klassistisch, rassistisch, ableistischen heteronormativen Patriarchat, marginalisiert werden. Natürlich ist es utopisch das System umfangreich zu ändern und wir sind nicht vollständig davon befreit Strukturen zu reproduzieren, aber wir können dazulernen und zumindest versuchen als ein kleiner Teil eine kleine Verbesserung zu ermöglichen.

Univativ: Was möchtet ihr Menschen mit dem Workshop zur queerfeministischen Kommunalpolitik näherbringen?

Sarah: Wir möchten die Studis dazu anregen und ihnen einen Raum bieten sich aktiv über queerfeministische Themen in Lüneburg auszutauschen.

Univativ: Welche Rolle spielt dieser Workshop für euch im Hinblick auf die diesjährige Kommunalwahl und der noch kommenden Podiumsdiskussion?

Sarah: Vor allem mit den steigenden Umfrageergebnissen der AfD und auch unter der aktuellen Bundesregierung sind die Rechte von queeren Menschen und Frauen in Gefahr. Auch aus dem Grund ist es relevant die Sorgen und Bedürfnissen von queerfeministischen Menschen an die Politik zu tragen und Gehör zu verschaffen. Zusätzlich stellt die Podiumsdiskussion eine Gelegenheit dar einen Einblick in die Positionen der Kandidierenden zu queerfeministischen Themen zu bekommen. Durch die Kommunalwahlen und die dazu anstehende Podiumsdiskussion erhoffen wir uns zudem die Themen direkt an die Kandidierenden heranzutragen.

Lyth: Kommunalpolitik ist patriarchal ausgelegt. Ich will es am Beispiel der Infrastruktur erklären: Berufsverkehr wird priorisiert, während Alltagswege, die durch Kinderbetreuung, Einkaufen und Pflege entstehen vernachlässigt werden. Oftmals werden FLINTA* und queere Perspektiven übersehen, die wegen patriarchaler Gewalt bangen müssen. Folgen sind zum Beispiel mangelnde Beleuchtung und unübersichtliche Fußwege. Öffentliche Toiletten sind häufig uneinsichtig und weder barrierefrei, noch für alle trans* inter* und nicht binäre Personen inklusiv. Auch wird der öffentlicher Nahverkehr oft um das Stadtzentrum radialförmig [Anm. d. Red. Strukturen, die von einem zentralen Punkt ausgehen oder auf diesen zulaufen] errichtet, was Außenbezirke weiter benachteiligt und die eben genannten Strukturen verschlimmert.

Ich will mit dem Privileg als QuARG Teil einer allgemein eher anerkannten Institution zu sein, queere und feministische Perspektiven für Politikerinnen sichtbar machen und Druck ausüben unsere Perspektiven zu bedenken. Zugleich hoffe ich, dass wir den Diskurs beeinflussen, sodass unseren Themen, sowie Politikerinnen und Parteien, mehr im Fokus stehen, die diese vertreten – gegen den lächerlichen durch Hetze, Falschinformationen und Kulturkampf eingenommen Diskurs.

Univativ: Wenn ihr die QuARG-Ringvorlesung in drei Worten beschreiben würdet, welche wären es?

Lyth: Raum, Queerfeminismus, Macht-/Privilegien-/Unterdrückungssystem

Univativ: Gibt’s noch irgendwas, was du sagen möchtest?

Lyth: Thanks for being queer (und feministisch)! Kommt zu unseren Veranstaltungen, wenn ihr wollt.


Auch QuARG-Mitglied Samu gibt UNIVATIV im Interview einen Einblick in die Motivation hinter dem Workshop über toxische Männlichkeit und die Wichtigkeit dieses Themas.

Univativ: Samu, was ist deine Motivation dahinter, den Workshop „how to not toxic masculinity“ zu geben und warum liegt dir dieses Thema am Herzen?

Samu: Als transmännliche nichtbinäre Person frage ich mich oft, wie ich eigentlich geschlechtlich sozialisiert bin und was das für mein Verhalten im Alltag bedeutet. Nehme ich zu viel Raum ein, wie männlich sozialisierte Personen? Mache ich mich zu klein, wie weiblich sozialisierte? Und wie kann ich eigentlich männlich sein, ohne toxisch zu sein?

Männlichkeit spielt eine große Rolle in problematischen, patriarchalen Strukturen, deshalb ist es ein Thema, mit dem man sich mal auseinandersetzen sollte.

Univativ: Was erhoffst du dir, was die Menschen von dem Workshop mitnehmen können?

Samu: Ideen, wie sie sich durch ihre eigene geschlechtliche Sozialisierung navigieren können, wo sie sich in gesellschaftlichen Debatten um Männlichkeit verorten, und wie sie nicht in toxische Männlichkeit abrutschen.

Univativ: Wenn du die diesjährige Ringvorlesung in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären es?

Samu: Bunt, empowering, queer

Univativ: Gibt es noch etwas, was du sagen möchtest?

Samu: Seid dabei!


Die Veranstaltungen der diesjährigen Ringvorlesung sind auf dem Instagram-Account von QuARG zu finden.


Foto: QuARG