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Top-Platzierungen ja, CHE-Ranking nein: Die Leuphana und ihr selektives Verhältnis zu Hochschulrankings

Die Leuphana präsentiert ihre internationalen Ranking-Erfolge prominent auf der eigenen Website. Am größten deutschen Hochschulranking, dem CHE, nimmt sie als einzige Universität bundesweit nicht teil – und das seit über 15 Jahren.

Wer auf der Webseite der Leuphana unter „Universität -> Entwicklung -> Rankings“ landet, findet eine Übersicht der Platzierungen. Im Times Higher Education World University Ranking 2026 belegt die Leuphana weltweit Rang 401–500, in „Business and Economics“ Rang 14 in Deutschland. Im Shanghai-Ranking 2025 liegt sie in den Politikwissenschaften auf Platz 5 unter den deutschen Hochschulen. Im Gründungsradar 2025 des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft erreicht die Leuphana Rang 2 unter den gründungsfreundlichsten mittelgroßen Universitäten Deutschlands. Hinzu kommen das Studycheck-Hochschulranking (Rang 5 der beliebtesten Universitäten 2025, im Jahr 2026 nicht mehr vertreten) und einige weitere.

Auf der Seite formuliert die Universität ihre grundsätzliche Position zu Rankings:

Rankings machen – trotz aller grundsätzlichen und methodischen Kritik an ihnen – die Qualität, die Leistungen und die institutionelle Leistungsfähigkeit von Universitäten mess- und vergleichbar. Sie bieten damit Orientierung in einem zunehmend komplexer werdenden internationalen Hochschul- und Wissenschaftssystem und stellen Transparenz und Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit her.

Am CHE-Hochschulranking, dem in Deutschland umfassendsten Vergleich dieser Art, beteiligt sich die Leuphana jedoch nicht.

Das CHE-Ranking: umfassend – und ohne Lüneburg

Das Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), seit über zwanzig Jahren exklusiv im ZEIT Studienführer und online auf dem Portal HeyStudium veröffentlicht, gilt als der umfassendste Hochschulvergleich im deutschsprachigen Raum. Rund 120.000 befragte Studierende, Bewertungen zu mehr als 10.000 Studiengängen, dazu eine englische Übersetzung auf den Seiten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).

Auf Anfrage der Univativ bestätigt das CHE, was bereits die Landeszeitung 2023 berichtete: Die Leuphana ist „die einzige Universität in Deutschland, die aktuell nicht am CHE Hochschulranking teilnimmt“, so Dr. Sonja Berghoff, Leiterin nationale Rankings beim CHE. Daneben gebe es lediglich „ein paar zumeist kleinere Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften“, die aus unterschiedlichen Gründen ebenfalls nicht teilnähmen. Die Entscheidung der Leuphana werde „bedauert“ und „respektiert“, man bleibe – wie auch in den Jahren zuvor – regelmäßig im Austausch mit der Hochschule.

Der Ausstieg der Leuphana begann bereits 2009. Die offizielle Begründung aus dem damaligen Beschluss lautet:

Das Studienangebot der Leuphana, insbesondere das Bachelor-Modell, ist in der disziplinär ausgerichteten Fächerstruktur der meisten Rankings nicht adäquat abzubilden. Damit fehlt die Grundlage für einen realitätsgerechten Vergleich mit den Studienangeboten anderer Universitäten.

Gemeint sind Elemente wie das Leuphana-Semester, das Major-Minor-Modell und das Komplementärstudium, die sich aus Sicht der Universität in einer Tabelle einzelner Fächer wie BWL, Jura oder Psychologie nicht abbilden lassen.

Die Position des CHE zur Methodik

Berghoff verweist gegenüber der Univativ auf die Arbeitsweise des Rankings: Hochschulen könnten ihre Studienangebote „aktuell, differenziert und fachbezogen für Studieninteressierte und eine breite Öffentlichkeit sichtbar machen“. Sichtbar würden dabei gezielt unterschiedliche Stärken – Berghoff nennt Beispiele wie „Top-Betreuung, gute Unterstützung zum Studienstart oder Praxisbezug im Studium“ – „im Gegensatz zu bloßen Ranglisten anderer Hochschulrankings“. Das CHE-Ranking arbeite fachbezogen und vergleiche Universitäten nicht pauschal als Ganzes.

Kritik am CHE-Ranking

Kritik am CHE-Ranking gibt es aus verschiedenen Richtungen. Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie rief 2012 zum Boykott auf, einzelne Fachbereiche an anderen Hochschulen sind ausgestiegen, Mediziner*innen mehrerer Fakultäten ebenso. Als gesamte Universität bleibt die Leuphana bundesweit die einzige, die dem Ranking fernbleibt.

Was bleibt für Studieninteressierte?

Wer den ZEIT-Studienführer aufschlägt, um die eigene Studienwahl zu strukturieren, findet zur Leuphana keine Daten – weder Bewertungen der Lehre noch Studierendenurteile noch Vergleichsdaten zur Betreuung. Wer sich für die Leuphana interessiert, muss auf andere Quellen ausweichen: die eigene Außendarstellung der Universität, das Studycheck-Portal, Erfahrungsberichte von Studierenden oder das Hochschulmagazin der eigenen Wahl.


Ein Kommentar von Christopher Bohlens

Rankings à la carte

Die Leuphana wirbt mit Rankings – aber nur mit denen, in denen sie gut aussieht. Das ist kein Zufall, sondern Strategie. Und sie hält der eigenen Rhetorik von „Transparenz und Rechenschaft“ nicht stand.

Beim CHE-Hochschulranking, dem in Deutschland umfassendsten Vergleich einzelner Studienfächer, fehlt die Leuphana seit 2009 – als einzige deutsche Universität. Die Begründung von damals: Das eigene Bachelor-Modell lasse sich in der disziplinär ausgerichteten Fächerstruktur „nicht adäquat abbilden“. Das klingt zunächst plausibel. Wer einen interdisziplinären Bachelor in eine Tabelle von BWL-Studiengängen presst, verzerrt mehr, als er erklärt.

Nur: Genau dieses Verzerrungsargument gilt für Rankings insgesamt – auch für die, mit denen die Leuphana wirbt. Und das CHE versteht sich, wie es gegenüber der Univativ betont, ausdrücklich nicht als Gesamtsieger-Liste, sondern als Sammlung fachbezogener Stärkenprofile. Auch ein interdisziplinärer Bachelor besteht am Ende aus konkreten Fächern: BWL, Psychologie, Politikwissenschaft, Nachhaltigkeitswissenschaften. Darüber ließen sich Aussagen treffen. Wenn man wollte.

Studierendenurteile? Ja. Aber nur die richtigen.

Interessant wird das Muster, wenn man sich die Ranking-Seite der Leuphana genauer ansieht. Studycheck – ein Ranking, das komplett auf Studierendenurteilen basiert – Rang 5 der beliebtesten Universitäten 2025, wird stolz präsentiert. Times Higher Education und Shanghai, die vor allem Forschungsleistung ganzer Universitäten messen – prominent auf der Seite. Das CHE-Ranking, das ebenfalls Studierendenurteile einholt, aber deutlich strengere Methodik anwendet und Detaildaten zu Betreuung, Ausstattung und Studienorganisation offenlegt – seit fünfzehn Jahren gemieden.

Die Universität akzeptiert also Studierendenurteile als Datengrundlage. Aber offenbar nur, wenn sie nicht mit vergleichbaren Daten anderer Hochschulen zusammengeführt werden.

Ein Beschluss von 2009 – bis heute

Bemerkenswert ist auch das Alter der Position. Der Beschluss stammt aus einer Zeit, in der das Leuphana-Modell noch ganz frisch war. Seither hat das CHE seine Methodik mehrfach überarbeitet, die Leuphana ihr Bachelor-Modell weiterentwickelt, das Komplementärstudium ausgebaut. Öffentlich neu debattiert wurde die Nichtteilnahme, soweit sichtbar, nie. Eine Position, die zur Selbstverständlichkeit geworden ist, ohne sich noch begründen zu müssen.

Was bleibt

Für Studieninteressierte, die sich vor der Studienwahl über die Lehrqualität an der Leuphana informieren möchten, bleibt der ZEIT-Studienführer eine leere Seite. Die Universität, die auf ihrer eigenen Website „Transparenz und Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit“ als Funktion von Rankings preist, verweigert genau diese Transparenz beim wichtigsten deutschen Instrument dafür.

Für eine Universität, die sich Transparenz und Rechenschaft selbst ins Stammbuch schreibt, bleibt damit ein offener Punkt: Warum ist man dort sichtbar, wo man gewinnt – und unsichtbar dort, wo es unbequem werden könnte?


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Christopher Bohlens

Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltungen, wo es so richtig kracht. Liebt investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.

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