Studium: 100 % Digital, 0 % Präsenz, 100,05 % Semesterbeitrag
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Studium: 100 % Digital, 0 % Präsenz, 100,05 % Semesterbeitrag

Der Semesterbeitrag für das Sommersemester 2021 stieg um 0,20 Euro auf 367,55 Euro. Viele Angebote rund um dem Campus entfallen und das Semesterticket wirkt in Zeiten der digitalen Lehre nutzlos – die Hintergründe zu den Kosten.

Die Univativ hatte bereits darüber berichtet, dass die Reduzierung der Beiträge für das Semesterticket scheiterte. Ein Argument der Verkehrsunternehmen: Die Züge und Busse fahren. Die Studierendenschaft (StuPa und AStA) richteten daraufhin die Möglichkeit ein, eine Semesterticketrückerstattung aufgrund der Corona-Pandemie zu beantragen. Derzeit werden die Anträge bearbeitet, für eine Rückerstattung stehen rund 21.000 Euro pro Jahr zur Verfügung, was für rund 160 Studierende reicht. Die Thematik um die Semesterticketrückerstattung ist nicht neu, wurde aber 2020 um die Corona-Pandemie als Erstattungsgrund erweitert.

Langfristige Verträge mit den Verkehrsunternehmen

Die jetzige Erhöhung um 0,20 Euro beruht auf den langfristigen Verträgen im Verkehrs-Semesterticket, die Studierendenschaft nimmt teil am Landesweiten Semesterticket, organisiert durch die Verkehrs-LAK und die LNVG. Zusätzlich besteht noch ein Vertrag mit dem HVV über die Nutzung der Busse in Stadt und Landkreis Lüneburg. Die Preiserhöhung sollte schon im SoSe 2020 stattfinden, wurde aber um ein Jahr nach hinten verschoben.

In einem Statement vom AStA wird betont, dass die Verträge mit den Verkehrsunternehmen langfristig geschlossen werden, künftige Preissteigerungen hätte man bereits nach hinten verschoben.

Beiträge an die Studierendenschaft

Die finanzielle prekäre Lage der Studierenden sei dem AStA bekannt. Gleichzeitig werden auch die Beiträge an den AStA verteidigt, da viele Servicebetriebe geöffnet haben oder in einem anderen Format ihre Dienstleistungen anbieten. Ein Großteil des Beitrags für die Studierendenschaft fließt in Personalkosten (ca. 250.000 Euro/Jahr). So steht in dem Statement: “So war und ist es uns ein Anliegen diese in diesen schwierigen Zeiten nicht zu kündigen, da auch dort viele auf das Gehalt angewiesen sind. Stattdessen bemühen wir uns, dass die Angebote des AStA möglichst gut nutzbar sind.”

Somit entsteht das Dilemma, dass die Studierendenschaft abwägen muss: Nämlich ob der AStA ein solidarischer Arbeitgeber ist, aber durch die Personalkosten der Beitrag für alle Studierenden gleich bleibt oder ob der Beitrag für alle sinkt, um der prekären Situation der Studierenden entgegenzukommen, wodurch der AStA aber Personal einsparen muss. Genaue Zahlen wie sich die Personalsituation und somit die Personalkosten aufgrund der Corona-Pandemie im AStA verändert haben, liegen der Univativ nicht vor. Über die Personalkosten berichteten wir bereits im Oktober.

Lage beim Studentenwerk OstNiedersachsen

Ähnliche Probleme haben die Studierendenwerke, die weiterhin Mensen, Wohnungen sowie Beratungsstellen anbieten. Die Nachfrage nach Speisen und Getränken ging zurück und Mensen sind geschossen worden sind, bzw. auf Alternativen umgestellt. Die Nachfrage nach Wohnungen wurde ebenfalls geringer, während die Nachfrage nach psychosozialer Beratung, Finanzierungsberatung oder BaFöG-Beratung höher wurde. Das Land hat jedoch die Studierendenwerke bisher nicht mit zusätzlichen finanziellen Mitteln ausgestattet. Etwaige Fehlbeträge werden vermutlich durch die Studierenden in der Zukunft bezahlt. Das Studentenwerk OstNiedersachsen hat für den Standort Lüneburg einen der höchsten Beiträge in ganz Deutschland mit 104 Euro pro Semester. Auf die Beitragserhöhung, die vertraglich geregelt ist um 2 Euro pro Wintersemester und somit auf 106 Euro wurde aktuell verzichtet. In den letzten 15 Jahren ist der Beitrag von 31 Euro auf 104 Euro pro Semester gestiegen (+235 %).

Rückblick

Bereits zu Beginn der Pandemie hat sich die Univativ mit den finanziellen und ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf dem Campus beschäftigt. Teil 1, Teil 2 und Teil 3. In einer Übersicht haben wir die aktuellen Fördermöglichkeiten für Studierende zusammengefasst. Eine Rückerstattung für das Semesterticket für das SoSe 2021 ist bis zum 31. Mai 2021 möglich. Nach den aktuellen Zahlen wieder für rund 160 Studierende pro Jahr.

 


Foto: Entwicklung der Rückmeldegebühren an der Leuphana – (c) Christopher Bohlens

19. Januar 2021

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Christopher Bohlens Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltungen, wo es so richtig kracht. Liebt investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.