Stirbt das Studentische Engagement durch Corona?
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Stirbt das Studentische Engagement durch Corona?

Studentische Initiativen berichteten auf der DSi Vollversammlung über Ihre Arbeitseindrücke in den Initiativen während der Corona-Pandemie. Wie verändert die Pandemie das Engagement? Dieser Frage ist die Univativ nachgegangen.

Das sonst jährlich stattfinden Schub-Camp fand 2020 in einer dreitägigen Online-Variante statt. Während am Anfang befürchtet wurde, dass es grandios scheitern würde, war man sehr positiv überrascht über die Durchführung und die Ergebnisse, so Ricarda, eine der Sprecher*innen vom DSi. Der DSi ist der Dachverband der studentischen Initiativen an der Leuphana, wovon es rund 70 Stück gibt. Die Aktivität in den Initiativen schwankt von Semester zu Semester, daneben gibt es auch zahlreiche Neugründungen.

Auch der digitale Markt der Möglichkeiten vom DSi, der sonst traditionell einmal im Semester im Hörsaalgang stattfindet, wurde bereits zum zweiten Mal digital abgehalten. So berichtet der DSi, dass man mit dem Format des digitalen Markts der Möglichkeiten bereits zu Beginn der Pandemie startete und viele verschiedene Anfragen hereinkamen, weil man bei der Suchmaschine Google mit dem Suchbegriff auf Platz 1 war.

Mitgliedergewinnung

In Zeiten des fehlenden persönlichen Austausches gibt es ein geteiltes Fazit über die Neu-Mitgliedergewinnung in den Initiativen. Einige Initiativen wie sneep, Policy.Lab oder der HBUL berichten von Problemen neue Mitglieder zu finden. Andere wiederum berichten von positiven Erfahrungen wie die Zugvögel, Viva con Agua oder der Permakulturgarten. Die Zugvögel konnten durch eine Veranstaltung im Mosaik zahlreiche Mitglieder gewinnen und über das Semester verteilt war die Beteiligung höher, so Bernadette. Nichtsdestotrotz: vielen Initiativen fehlt die soziale Interaktion durch entsprechende Team-Events oder Stammtische.

Beim Permakulturgarten stand deshalb Gartenarbeit als eine willkommene Abwechslung zum stundenlangen Sitzen vor dem Computer an. Es wurde sich auch zu zweit draußen getroffen, um den Garten zu pflegen, so Martha.

Digitalisierung

Das Zusammenarbeit nun auch über Grenzen hinweg möglich ist, wird als entscheidender Vorteil betrachtet. Beispielsweise gibt es eine Studentin aus den Niederlanden, die sich nun aktiv bei Viva con Agua in Lüneburg engagiert und so digital überall dabei ist. Ähnlich läuft es im Policy.Lab wo viele Ehemalige in Berlin arbeiten und sich nun virtuell zu Treffen und Veranstaltungen in Lüneburg dazuschalten können.

Dennoch wird der fehlende persönliche Austausch als problematisch empfunden. Denn Treffen vor Ort können nicht stattfinden und Veranstaltungen oder Podiumsdiskussionen (beispielsweise die vom Policy.Lab oder von sneep) können nur virtuell durchgeführt werden oder müssen ganz ausfallen. Insbesondere für Kulturveranstaltungen sei dies schwierig, so die Zugvögel. Gleichzeitig bietet es auch Chancen dafür neue Formate und Ideen auszuprobieren, wie die Anwesenden zustimmen.

Der Stammtisch, den der HBUL regelmäßig veranstaltete wurde in ein digitales Treffen für ein Wikifolio (virtuelles Musterportfolio mit Aktien, Investmentfonds, ETFs, Zertifikate) umgewandelt, berichtet Laurenz. Diese diskutieren nun, wie ein erfolgreiches Portfolio aussehen kann.

Beteiligung

Zur Frage ob die Beteiligung durch virtuelle Formate höher ist als in Präsenz, gibt es geteilte Meinungen. Letztlich würden die Initiativen in Corona Zeiten oft nicht mehr Teilnehmende anziehen als in Präsenzzeit. Die Leuphana unterstützt die studentischen Initiativen über den DSi, sodass jede Initiative einen kostenlosen Zoom-Pro-Account erhalten kann.

Positiv wird momentan die einfachere Möglichkeit der Zusammenarbeit mit anderen Initiativen außerhalb Lüneburgs gesehen. So könnten beispielsweise auch internationale Projekte vorangetrieben werden, berichtet Lisa von C&C.

Julian von sneep fasst es am Ende gut zusammen: Initiativarbeit in Corona-Zeiten geht irgendwie, sie ist anders aber nicht schlechter.


Bild: Schüler Eingabe Tastatur Text Frau Start Geschäft – (c) Pixabay

3. Februar 2021

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Christopher Bohlens Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltungen, wo es so richtig kracht. Liebt investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.