Private Infrastruktur für die digitale Lehre: Leuphana zahlt unbekannten Betrag an Zoom
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Private Infrastruktur für die digitale Lehre: Leuphana zahlt unbekannten Betrag an Zoom

Derzeit sind Präsenzveranstaltungen unmöglich. Schnell mussten Lösungen gefunden werden, um die Lehre in den digitalen Raum zu bringen. Viele Hochschulen wählten den US-Anbieter “Zoom”, trotz massiver Sicherheits- und Datenschutzbedenken.

Eine Recherche vom Informationsfreiheitsportal FragDenStaat zeigt, wieviel die Hochschulen in Deutschland für die den US-Anbieter Zoom bezahlen. Die offizielle Anfrage an die Leuphana wurde mit Verweis auf ein fehlendes Informationsfreiheitsgesetz (IFG) abgelehnt, die Univativ fragte nach und die Leuphana lies verlauten: “Zu den Inhalten unserer Vertragsbeziehungen mit externen Partnern geben wir keine Auskunft.”

Über die Kritik an Zoom an der Leuphana hatten wir bereits berichtet. Hochschulen begründen dies meist damit, dass alternative Lösungen nicht so gut funktionieren würden wie Zoom und zu teuer seien. Mit Informationsfreiheitsanfragen wurden insgesamt 396 Hochschulen angefragt wie viel im vergangenen Jahr an Zoom Video Communications Inc. gezahlt haben.

Viele Hochschule gaben keine Auskunft

Etwa 40 Prozent aller Hochschulen haben die Anfragen nicht beantwortet. Mehr als 20 Prozent verweigerten die Auskunft, denn leider greift in vielen Bundesländern das IFG für Hochschulen nicht, die in den Bereichen Forschung und Lehre tätig sind (also normalen Hochschultätigkeiten nachgehen). In Niedersachsen gibt es neben Bayern und Sachsen kein IFG.

Rechnet man die Ausgaben der Hochschulen aus den Antworten zusammen, haben sie Zoom im Jahr 2020 insgesamt 2.764.771 Euro bezahlt. Überschlagen auf alle Hochschulen, zu denen keine Daten vorliegen, haben deutsche Hochschulen etwa 6,4 Millionen Euro an das US-Unternehmen gezahlt. Der tatsächliche Betrag dürfte allerdings noch deutlich höher sein. Im Schnitt sind das etwa 30.000 Euro pro Hochschule, also 2.500 Euro im Monat.

Studierende entwickeln Alternativen

Studierende aus Darmstadt und Karlsruhe betreiben in ihrer Freizeit das Projekt Senfcall. Basierend auf dem quelloffenen System „BigBlueButton“ bieten sie kostenlose, Datenschutz respektierende Videokonferenzen an. Auch die TU Chemnitz und die Universität Osnabrück handeln ähnlich und nutzen andere Systeme als Zoom.


Mit Material von FragDenStaat.
Foto: Videokonferenz Webinar Digitalisierung Digital – (c) Pixabay
Transparenzhinweis: Der Autor ist für das Portal FragDenStaat.de ehrenamtlich tätig.

13. April 2021

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Christopher Bohlens Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltungen, wo es so richtig kracht. Liebt investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.