Podiumsdiskussion vor den Hochschulwahlen

Wer wird in der kommenden Legislaturperiode über den studentischen Haushalt von 500.000 Euro entscheiden? Wer verbirgt sich hinter den verschiedenen Listen und dem Einzelkandidat und was sagen die Kandidat:innen im direkten Diskurs?

Am 10.12.2021 fand abends im Hörsaal 4 auf dem Campus die Podiumsdiskussion vor den kommenden Hochschulwahlen statt. Anwesend waren bei der 2G+-Veranstaltung neben 12 Zuhörer:innen in Präsenz, 32 Teilnehmer:innen über Zoom, die Moderator:innen Kimberley und Fynn, sowie der Einzelkandidat Christian Tuch und die Listenverteter:innen. Zu Letzteren gehörten Johanna und Anna von campus.grün, Max und Phine für die Juso HSG, sowie Julius und Anni für Die vom Fach. Die Linke.SDS war nicht vertreten. So viel zu den Rahmenbedingungen der Veranstaltung.

Zu Beginn bemerkte Fynn, dass hier zwar viele Menschen politisch interessiert und aktiv seien, die Hochschulwahlen aber immer ein wenig durchs Raster fallen würden. Diese Aussage passt zu der Anzahl der Veranstaltungsbesucher:innen und der durchschnittlichen Hochschulwahlbeteiligung an der Leuphana. Auch in der folgenden Diskussion ging es immer wieder um die Frage, wie die Hochschulpolitik transparenter und zugängiger gestaltet werden kann, sodass sich mehr Studierende damit auseinandersetzen oder sich daran beteiligen. In diesem Zusammenhang riet Christian Tuch allen Studierenden dazu, die Möglichkeit, sich einfach in eine StuPa-Sitzung setzen zu können, zu ergreifen.

Wer ist eigentlich Christian Tuch?

Christian Tuch ist 43 Jahre alt, Zertifikatsstudent an der Leuphana (berufsbegleitendes Zertifikatsstudium) und bezeichnete sich selbst im Laufe der Diskussion mehrmals als CDU nah. Er tritt dieses Jahr als Einzelkandidat an und es schien so, als sei ein Thema seine Herzensangelegenheit: die Abschaffung der Langzeitstudiengebühren. Auch im Zusammenhang mit anderen Themen (z.B. Klimakrise) betonte er immer wieder, dass ihm diese Abschaffung besonders wichtig ist. Er hofft, dass dadurch der herrschende Leistungs- und Zeitdruck von den Studierenden genommen werden kann. Als Christian Tuch auf Nachfrage von Kimberley, den derzeitigen Semesterbetrag der Langzeitstudierenden auf ca. 1000€ schätzte, waren einige Zoom-Teilnehmer:innen etwas irritiert und korrigierten sogleich, dass dieser sich an der Leuphana derzeit auf 500€ belaufe. Ein bisschen Erfahrung mit der Arbeit eines StuPas hat Christian Tuch schon, da er ein Jahr an der University in Sheffield im dortigen StuPa tätig war. Ihm ist des Weiteren die Kooperation mit Unternehmen sowie mit der Wirtschaft wichtig, da Studierende in diesem Bereich später tätig sein können. Es sind somit auch Felder, in denen etwas z.B. in Richtung Nachhaltigkeit verändert werden kann, so Tuch. Daher ist er auch gegen ein Werbeverbot auf dem Campus oder gegen das Coca-Cola Verbot in der Mensa. Er setzt auf den Dialog und die damit einhergehende mögliche Veränderung innerhalb der Unternehmen.

Und was ist mit den anderen Kandidat:innen?

Bezüglich der Corona-Situation waren sich alle einig, dass die an der Uni geltenden Maßnahmen je nach Infektionsgeschehen verhandelt werden müssen. Max und Phine stellten klar, dass ihnen insbesondere eine frühzeitige Kommunikation der jeweiligen Prüfungsform (online oder Präsenz) wichtig ist und Christian Tuch sprach sich für online-Klausuren aus. Die vom Fach drückten vorsichtig aus, dass sie 2G+ im akademischen Betrieb nur dann befürworten, wenn Seminare und Vorlesungen ansonsten für niemanden in Präsenz stattfinden. Grundsätzlich betonten alle, dass sie die Leuphana als Präsenzuniversität verstehen und eine Präsenzlehre immer vorziehen, aber dass die geltenden Maßnahmen zur Zeit in einem ständigen Aushandlungsprozess stehen müssen. Einig waren sie sich auch, als es um die Senkung der Studierendenbeiträge für die studentische Selbstverwaltung (beläuft sich derzeit auf 19€), sowie um mehr Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit in der Hochschulpolitik ging.

In vielen Punkten waren sich die Teilnehmenden also einig, aber in welchen kam es zu Reibungen?

Immer wieder versuchten Fynn und Kimberley eine Kontroverse zwischen den Listen herauszukitzeln, was zugegebenermaßen kein leichtes Unterfangen war. Bei vielen Punkten waren sich die Vetreter:innen einigermaßen einig. Doch in ein paar Punkten zeigten sich dann doch kleine, feine Unterschiede. So zum Beispiel als es um den viel umstrittenen Coca-Cola-Brunnen bei Lüneburg ging. Soll Coca-Cola an der Uni (z.B. in der Mensa) nun verboten werden oder nicht? Campus.grün positionierte sich klar für ein Verbot, Die vom Fach und die Juso HSG hingegen verwiesen auf die damit verbundene Komplexität der notwendigen kritischen Recherche aller Unternehmen, die ihr Essen und Trinken auf dem Campus verkaufen. Eine weitere Reibung kam auf, als es um eine rein vegane oder vegetarische Mensa ging: Campus.grün setzte auf das Verbot  von Fleischgerichten und fordert übergangsweise eine Preiserhöhung der Fleischgerichte, um so die vegetarischen Gerichte zu subventionieren. Vielmehr sollte auf die Eigenverantwortung der Studierenden gesetzt werden, meinten hingegen Anni und Julius und sprachen sich gegen eine vegetarische/vegane Mensa aus.

Auch in puncto Erhöhung des Projektförderfonds waren sich die Parteien nicht ganz einig: Während Die vom Fach für eine Erhöhung des Fonds sind, meint campus.grün und die Juso HSG, dass es, u.a. durch die Brachlage von Projekten durch den Lockdown, so viele Rücklagen gibt, dass keine Erhöhung von Nöten sei. Daher wäre es ihrer Meinung nach wichtiger, und darin waren sich wieder alle einig, dass der Fond bekannter gemacht werden und mehr beworben werden muss.

Und ganz konkret: Wofür stehen die Parteien?

Am deutlichsten werden die Unterschiede vielleicht, wenn man sich die jeweiligen Hintergründe und die Statements der verschiedenen Listen/des Einzelkandidats zu Beginn und zum Ende der Podiumsdiskussion anschaut.

(von rechts nach links siehe Titelbild)

Campus.grün vertritt nach eigener Aussage die grüne Wertebasis und hat als zentrale Schwerpunkte Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Queerfeminismus. Die Leuphana soll sich wieder mehr an ihre Leitlinien halten, als Treiber für Transformation fungieren und der Campus ein sicherer Wohlfühlort für alle werden. In der vorangegangen Legislaturperiode hat campus.grün sein Anliegen der Nachhaltigkeit mit der Durchsetzung der nachhaltigen Finanzordnung beweisen können.

Während die Juso HSG die Vernetzung intern zwischen den Gremien der Leuphana verbessern möchte, betonte sie auch immer wieder die Vorteile des Netzwerks, welches deutschlandweit zwischen den Juso-HSG-Verbänden existiert. An einer Stelle meinte Max, dass die Grenze zwischen einer hochschulpolitischen und einer politischen Sphäre konstruiert sei, da der Campus als Teil der Gesellschaft begriffen werden muss. Sie wollen sich mit den Geschehnissen der Welt solidarisieren und zugleich die Hochschulpolitik als gesamtes Interesse der Studierenden betrachten. Zwei Hauptanliegen sind ein selbstbestimmtes, freies und solidarisches Studium, sowie eine klimaneutrale Studierendenschaft bis 2025.

Die vom Fach wollen sich mithilfe ihrer fachlichen Diversität (Psychologie, Powi, Recht und Wirtschaft) in ganzer Breite für die Studierenden einsetzen und der Hochschulpolitik dazu verhelfen transparenter, zugängiger und verständlicher zu werden. Zudem ist es wichtig das Thema der Digitalisierung intensiver zu verfolgen und dabei die Uni weiterhin nur unter dringendsten Umständen (Corona) vermehrt auf online umzustellen.

Christian Tuch steht vor allem für die Abschaffung der Langzeitstudiengebühren, fordert eine Kooperation mit der Wirtschaft und Unternehmen, sodass diese nachhaltig verändert werden können und ist gegen die Erhöhung der Studiengebühren. Das Thema Nachhaltigkeit ist ihm ebenfalls wichtig und er wünscht sich eine hohe Wahlbeteiligung und Anteilnahme an den Aktivitäten der Hochschulpolitik von Seiten der Studierendenschaft.

Hier gibt es noch weiterführende Links:

Wer und was wird gewählt? Artikel der Univativ 
Wen will ich wählen? Wahl-Bot
Die Podiumsdiskussion in voller Länge: YouTube Video auf dem Kanal des AStA Lüneburg
Die Listen/Einzelbewerber:innen im Überblick: Online Wahlzeitung des AStA

Foto: (c) Veronika Herm