Meine Top-Ten-Filme 2021 | Ruben’s Cinematic Universe

Atemberaubende Bilder, spannende Geschichten, persönliche Dramen und Filme, die zum Nachdenken anregen. All das und vieles mehr in meinen Top Ten der besten Filme aus 2021!

Das Jahr 2021 ist zu Ende und hatte einige interessante Filme zu bieten. Einerseits fanden viele Produktionen ihren Weg zu Streaminganbietern und wurden dem Kino vorenthalten oder wurden schon kurz nach Kinostart digital veröffentlicht. Andererseits sind auch viele lang erwartete Filme wie DUNE angelaufen, die mit ihrem weltweiten Erfolg bei Kritiker:innen und Publikum gezeigt haben, dass viele Menschen das Erlebnis Film und Kino nach wie vor schätzen. Bevor es jetzt also in ein hoffentlich genauso spannendes Filmjahr 2022 geht, kommt hier noch eine Top-Ten-Liste meiner persönlichen Favoriten aus 2021.

Übersicht

10. Don’t Look Up
9. The Harder They Fall
8. Judas and the Black Messiah
7. The Green Knight
6. The French Dispatch
5. The Suicide Squad
4. Minari
3. Druk
2. Promising Young Woman
1. Dune

Platz 10
DON’T LOOK UP

Zwei Wissenschaftler:innen entdecken einen riesigen Asteroiden, der in sechs Monaten mit katastrophalen Folgen auf der Erde einschlagen wird. Um die Auslöschung des Planeten abzuwenden, versuchen sie Regierungen und Weltbevölkerung zu warnen, doch die Welt scheint sich nicht für ihren eigenen Untergang zu interessieren.

Mit einem phänomenalen Cast, angeführt von Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence als Astronom:innen, ergänzt durch u. a. Meryl Streep, Cate Blanchett, Jonah Hill und Mark Rylance, gelingt Adam McKay mit DON’T LOOK UP eine überaus gelungene Satire über die westlichen Gesellschaften, bei der entweder laut gelacht werden kann oder das Lachen im Halse stecken bleibt. In diesem Film ist niemand sicher vor den albernen und überspitzten, aber vielfach zutreffenden Parodien, seien es die US-Regierung, Popstars, die Filmbranche, multinationale Konzerne, Nachrichtensender oder die Welt von Social Media. Erschreckend ist, dass die Corona-Pandemie den Film an vielen Stellen gar nicht mehr wie eine Satire, sondern eher wie einen einfachen Spielfilm über unsere Wirklichkeit aussehen lässt.

(verfügbar bei Netflix)

Platz 9
THE HARDER THEY FALL

Als Junge musste Nat Love mit ansehen, wie der Outlaw Rufus Buck seine Eltern ermordete. Zwanzig Jahre später ist er selbst zum Outlaw geworden, um sich für den Mord seiner Eltern zu rächen. Als er hört, dass Buck aus dem Gefängnis entkommen konnte, versammelt er eine Gruppe Vertrauter und Fremder, um sich seinem Feind zu stellen.

THE HARDER THEY FALL eignet sich das vornehmlich weiße Genre des Westerns an und bedient sich bei einigen klassischen Elementen und Erzählmustern. Es gibt Schießereien, Duelle, Explosionen und Überfälle von Eisenbahnen und Banken. Abseits davon vergisst Regisseur Jaymes Samuel mit seinem schwarzen Cast jedoch nicht, dem Genre merklich seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Der Film ist gefüllt mit überspitzter und gleichzeitig ästhetischer Gewalt, wie man sie sonst nur aus Filmen von Quentin Tarantino gewohnt ist. Dazu kommen ein moderner, mit Hip Hop und Rap durchsetzter Soundtrack und ein stark spielender Cast in passenden Kostümen. Das Ergebnis ist ein brutaler, spannender und verdammt stylischer Film.

(verfügbar bei Netflix)

Platz 8
JUDAS AND THE BLACK MESSIAH

Ein schwarzer Kleinkrimineller soll im Illinois der 1960er-Jahre im Gegenzug für seine Freiheit für das FBI die Black Panther Party und deren Vorsitzenden, Fred Hampton, ausspionieren. 

Selten hat ein Film einen gleichzeitig so passenden wie interessanten Namen verpasst bekommen. JUDAS AND THE BLACK MESSIAH ist genau das, was man bei seinem Titel erwarten kann. Kein klassisches Biopic über Fred Hampton oder eine geschichtliche Nacherzählung der Aktionen der Black Panther Party, sondern eine intime und gleichzeitig große Geschichte über Rassismus, Protest und Revolution, Zusammenarbeit, Vertrauen und natürlich Verrat im Illinois der 60er. Lakeith Steinfeld als Kleinkrimineller, der ständig mit seiner Doppelrolle im Konflikt steht, Daniel Kaluuya als Fred Hampton, der sichtlich bemüht ist, seine Mission zu erfüllen und gleichzeitig um sein (Privat-)Leben fürchtet, und Jesse Plemmons als Roy Mitchell, der als ekliger, rassistischer und unnachgiebiger FBI-Agent einfach nur scheußlich ist, machen den Film zusätzlich sehenswert.

(verfügbar bei Sky oder als Video-on-Demand bei u. a. Amazon Prime Video oder Apple TV)

Platz 7
THE GREEN KNIGHT

Nachdem er bei einem Spiel dem Grünen Ritter den Kopf abgehackt hat, muss der junge Gawain, Neffe von König Artus, sich ein Jahr später auf den Weg machen, um vom Grünen Ritter den gleichen Schlag zu empfangen. Auf der Reise erwarten ihn viele Gefahren und Hindernisse.

David Lowerys THE GREEN KNIGHT ist ein modernes Fantasy-Märchen mit fantastischen und atmosphärischen Bildern. Inhaltlich hinterfragt der Film das Konzept der Ehre, welches im Mittelalter für einen Ritter als eine der höchsten Tugenden galt. Gleichzeitig ist es eine wundervoll langsam erzählte, mysteriös aufgebaute und nicht immer linear dargestellte Geschichte über das Erwachsenwerden. Wie trifft man die richtige Entscheidung und wie geht man mit den Entscheidungen um, die man getroffen hat, egal ob sie nun richtig oder falsch waren?

(verfügbar als Video-on-Demand bei u. a. Amazon Prime Video oder Apple TV)

Platz 6
THE FRENCH DISPATCH

Das amerikanische Magazin „The French Dispatch“ wurde als Ableger der Zeitung „Liberty – Kansas Evening Star“ in der fiktiven französischen Stadt Ennui-sur-Blasé in den 1950er Jahren gegründet. Im Laufe der Zeit wurden viele Geschichten in diesem Magazin veröffentlicht, von denen im Film einige erzählt werden.

Wie es bei einem Film von Wes Anderson üblich ist, treffen hier detaillierte Sets auf eine künstlerische, fast selbstironische Inszenierung. Hier werden spannende, lustige, skurrile Geschichten erzählt. Der Film verbindet verspielte visuelle und erzählerische Einfälle mit fast schon philosophischen Fragen und kleinen, aber feinen Kommentaren zu unserer Gesellschaft. 

(läuft im ABATON-Kino in Hamburg)

Platz 5
THE SUICIDE SQUAD

Ein neue Task Force X, bestehend aus den verrücktesten Superschurken, wird von Amanda Waller zusammengestellt. Sie sollen den Inselstaat Corto Maltese infiltrieren und Informationen über ein geheimes Forschungsprojekt sicherstellen. Doch nichts läuft wie geplant, so dass das Suicide Squad improvisieren muss.

James Gunn ist es mit den Guardians of the Galaxy gelungen, eine Truppe von unsympathischen und egoistischen, aber auch tragischen und lustigen Figuren zu einer Gruppe zu vereinen, die gemeinsam über sich hinauswachsen. Mit DC’s THE SUICIDE SQUAD legt er nun die noch abgefahrenere und deutlich brutalere Version vor, ohne seine vorherigen Filme dabei zu kopieren. Sein visueller Stil ist gefüllt mit einprägsamen Ideen, Shots, die direkt aus einem Comicheft stammen könnten, einer dazu passenden Brutalität und wird erneut von einem stimmigen Soundtrack ergänzt, der aber nicht zu einem Selbstzweck verkommt. Das Setting des Films ist angelehnt an Action-Filme der 1980er-Jahre wie PREDATOR oder RAMBO, ist aber dennoch auf der Höhe der Zeit und kann mit interessanten Figuren, (selbst-)ironischen Szenen und Subtexten und einer spannenden Handlung punkten.

(verfügbar bei Sky oder als Video-on-Demand bei u. a. Amazon Prime Video oder Apple TV)

Platz 4
MINARI

Eine Familie südkoreanischer Einwanderer zieht in den 1980er Jahren aufs Land nach Arkansas. Dort will der Vater seine eigene Farm aufbauen, was sich jedoch schwieriger gestaltet als gedacht und für einige Konflikte mit seiner Frau sorgt. Ihre Kinder müssen indes ihren Platz in Amerika finden und auch mit ihrer fremden Großmutter aus Südkorea klarkommen, die alsbald bei ihnen einzieht.

In seinem teilweise autobiographischen Film MINARI erzählt Lee Isaac Chung ein wunderschönes, trauriges, charmantes, lustiges und immer berührendes Familiendrama, das nicht wie ein typischer Film über Immigranten daherkommt. Die Familie Yi steht hier ganz klar im Vordergrund. Es geht nicht (nur) um die Hindernisse, die sie als Familie und als einzelne Mitglieder dieser Familie bewältigen müssen, sondern vielmehr um einen Einblick in die Familie. Dabei ist es vor allem die außerordentlich subtil und ruhig erzählte Beziehung zwischen Vater und Mutter, die Zuschauende zu beschäftigen vermag. Wahnsinnig warmherzig, lustig und zum Ende herzzerreißend ist hingegen die Beziehung zwischen dem kleinen David und seiner Großmutter, mit der er in einem Zimmer schlafen muss und die er erst nicht leiden kann. Wie die beiden sich gegenseitig ärgern und dann im Laufe des Films zusammenwachsen, gehört zu den schönsten Kinomomenten des Jahres.

(verfügbar als Video-on-Demand bei u. a. Amazon Prime Video oder Apple TV)

Platz 3
DRUK

Vier befreundete Lehrer sind in ihrem Job und zu Hause längst nicht mehr so engagiert, wie sie es mal waren. Doch dann probieren sie ein Experiment eines Soziologen aus, dessen Theorie besagt, dass Menschen mit 0,5 Promille Alkohol zu wenig im Blut auf die Welt kommen. Von da an versuchen sie konstant einen immer höheren Alkoholpegel zu halten.

DRUK (oder auf Deutsch DER RAUSCH) ist der Überraschungsfilm des Jahres aus Dänemark. Mads Mikkelsen und seine Kollegen um Thomas Bo Larsen brillieren als immer betrunkenere Lehrer in verschiedensten Situationen des Alltags, unter anderem auch in der Schule. Dass ihr Experiment irgendwann Konsequenzen haben wird, ist natürlich klar. Was den Film abseits der hervorragenden Darstellungen aber so stark macht, ist sein Umgang mit dem gesellschaftlich kritischen Thema des Alkoholkonsums. Anders als vielleicht zu erwarten wird hier nicht mit einem moralischen Zeigefinger gewedelt, sondern außerordentlich subtil, intim und detailliert auf die Folgen des Versuchs eingegangen. Regisseur Thomas Vinterberg gelingt dabei der Spagat zwischen kritischer und realistischer Darstellung und er meistert die Balance aus persönlichem Drama und situationsbezogener Komik. Zuschauende werden dabei dazu eingeladen, sich selbst und den Umgang der Gesellschaft mit Alkohol zu reflektieren. Stark!

(verfügbar als Video-on-Demand bei u. a. Amazon Prime Video oder Apple TV)

Platz 2
PROMISING YOUNG WOMAN

Cassie ist auf einem Rachefeldzug der etwas anderen Art. Nacht für Nacht geht sie in Bars und Clubs, um sich scheinbar komplett betrunken von netten Männern in deren Wohnungen abschleppen zu lassen. Doch natürlich lässt sie nicht alles mit sich machen, wie die Männer es vielleicht erwarten, und dreht den Spieß um.

Emerald Fennell hat mit ihrem Regiedebüt PROMISING YOUNG WOMAN einen Rachethriller vorgelegt, der eigentlich keiner ist. Und dann wieder doch. Der Film ist eine clevere Satire, eine gnadenlose Abrechnung mit überheblicher, dominanter Männlichkeit. Carey Mulligan spielt Cassie, die mit 30 Jahren die Medizinschule nach einem Vorfall abgebrochen hat und nun wieder bei ihren Eltern lebt, mit allen erdenklichen Nuancen. Man kauft ihr die manchmal gleichgültige und dann wieder dominante Rolle absolut ab, wenn sie in Sekunden in Gesprächen und Situationen allein mit ihrer Körpersprache und ihrem Auftreten die Kontrolle übernimmt. Gleichzeitig fokussiert sich der Film auf ihre tragische Geschichte, ihre Motivation und ihren Konflikt. Cassie ist deutlich verletzlicher, als sie es alle um sie herum glauben lassen möchte. Der Film findet dabei die perfekte Mischung aus gnadenloser Satire, humorvoller Komödie und ernstem Drama gemischt mit einem geschickten Spiel mit den verschiedenen Genres. Begleitet wird dies mit stylischen Set- und Köstumdesigns in Verbindung mit einem lässigen Soundtrack. Absolut sehenswert!

(verfügbar als Video-on-Demand bei u. a. Amazon Prime Video oder Apple TV)

Platz 1
DUNE

Nachdem jahrzehntelang Haus Harkonnen über den Wüstenplaneten Arrakis, auf dem das wertvolle Spice gewonnen wird, mit eiserner Hand geherrscht und ihn ausgebeutet hat, überträgt der Imperator dem Haus Atreides die Kontrolle über den Planeten. Paul, der junge Sohn des Herzogs, wird daraufhin bei der Ankunft auf dem neuen Planeten hineingezogen in eine Welt voller Verschwörung, Verrat, Intrigen und Gewalt, auf dem Weg zu seinem Schicksal.

Denis Villeneuves Verfilmung von Frank Herberts bahnbrechendem Science Fiction-Roman DUNE ist im vergangenen Jahr mein Must-See-Kino-Event gewesen. Alles an diesem Film ist dafür ausgelegt, in einem großen Kinosaal erlebt zu werden. Er ist der erste Teil einer epischen Erzählung in wundervollen Settings, mit perfekt inszenierten Schauplätzen, detaillierten Designs, spannenden Intrigen und Hinterhalten und einem Fokus auf die Heldenreise eines jungen, unsicheren Mannes. Mysteriös, geheimnisvoll, bedrohlich und zugleich wunderschön kommt der Wüstenplanet daher mit seinen riesigen Sandwürmern, seinem auf der Oberfläche tanzenden Spice und der sengenden Hitze. Abseits dieses handwerklich hervorragenden Stücks Filmkunst eröffnet der Film inhaltlich eine weitreichende Erzählung in einem riesigen und interessant bevölkertem Universum, das viele seiner Seiten erst noch zu zeigen hat. Gibt es so etwas wie einen Messias für diese Welt? Und kann es wirklich Paul sein? Will er es überhaupt sein oder muss er am Ende vielleicht einfach die Rolle des Messias annehmen? All dies und noch viele andere Thematiken wie der Umgang mit Kolonialismus und Ausbeutung schlummern unter der wunderschön (schrecklichen) Oberfläche. Ein modernes Meisterwerk und für mich der Film des Jahres 2021!

(verfügbar bei Sky oder als Video-on-Demand bei u. a. Amazon Prime Video oder Apple TV)


Foto: ©Ruben Schmidt