Gewinner der Goldenen Palme 2025: Unser Autor über „Ein einfacher Unfall“

Ein vielfach ausgezeichneter Film über Wahrheit, Schuld und Gnade – und eine Versuchung, die sich lohnt.


Als ein Film voller „moralischer Fragen nach Wahrheit und Ungewissheit, Rache und Gnade“ wurde Ein einfacher Unfall in der Filmbeschreibung des Scalas angekündigt. Zudem gewann er 2025 die Goldene Palme in Cannes. Große Worte, hohe Erwartungen – die der Film jedoch auf nahezu allen Ebenen eindrucksvoll erfüllt.

Die Geschichte, in der verschiedenste moralische Dilemmata eingebettet sind, spielt im Iran, in dem ein Automechaniker meint, seinen ehemaligen Folterer wiederzuerkennen. Um Sicherheit zu erlangen, sucht er nach weiteren ehemaligen politischen Gefangenen, die ihm helfen können, den Folterer zu identifizieren.

Ergriffenheit ist das Wort, dass mir immer wieder einfällt, wenn ich versuche meine Gefühle nach dem Film zusammenzufassen. Sie schleicht sich sukzessive und langsam ein. Nichts im Film kommt plötzlich, unerwartet ja, aber nie hektisch. Oft wird nur aus einer Perspektive gefilmt, die Geräuschkulisse ist gedämpft, einzelne Geräusche gezielt hervorgehoben. So schafft es der Film, dass die eigenen Moralvorstellungen hinterfragt werden und wirft gleichzeitig ungeahnte auf. Ist alles, jede Handlung, erlaubt, um sein eigenes Leben und das der Familie zu schützen? Auch wenn dafür Menschen getötet werden? Wenn man die schlimmste seelische Verletzung ausgesetzt war – Folterung –, kann Rache die Wunde heilen lassen? Wie soll sie denn aussehen? Wie kann so viel Leid auf der Welt entstehen, wenn alle nur das machen, was sie als gut empfinden?

Die Authentizität dieser Fragestellungen, wird durch die grandiosen Schauspieler gesichert, die emotionale Meiserleistungen vollbringen. Die unaufgeregten Filmeinstellungen ermöglichen dem Zuschauer aktive Pausen zum Nachdenken. Und in all seiner Schwere finden sich immer wieder Elemente von solcher Absurdität, dass man sich ertappt fühlt, eben angesichts der Schwerer, die Mundwinkel verzogen zu haben. In all seiner Vollkommenheit verliert er jedoch an Zugkraft durch die deutsche Synchronisation. Denn die Dialoge und Emotionen, sind so stark geschrieben und verkörpert, aber so schwach synchronisiert. Nur Untertitel hätten die Qualität des Filmes um einiges gesteigert.

Zusammenfassend ist es ein Schwerer, aber in jedweder Hinsicht lohnenswerter Film, der moralische Fragestellung bildstark darstellt.

Und zum Schluss vielen Dank an das Scala Kino!


Foto: Tima Miroshnichenko via Pixels