Farbbomben gegen Kohle-Investment
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Farbbomben gegen Kohle-Investment

Aus Protest gegen die Finanzpolitik der Leuphana wurde am Donnerstag das Zentralgebäude mit Farbe beschmiert. Die Kampagne #LeuphanaDivest plant nun weitere Aktionen, damit die Universität ihrer Gelder von der Norddeutschen Landesbank abzieht.

“Kohle raus aus der Nord/LB!”, hieß es, bevor die ersten Farbbomben am Liebeskind-Gebäude zerplatzten. Henning Jeschke, Klima-Aktivist und Student der Politikwissenschaften, beschmierte am Donnerstagmittag mit schwarzer Farbe das Zentralgebäude der Leuphana Universität. Mit einem Facebook-Livestream wurde die Aktion online begleitet. Etwa 20 Aktivist*innen versammelten sich vor Ort, um die Finanzpolitik der Leuphana anzuprangern. Seit zwei Jahren wird sie dazu aufgefordert, ihre Gelder von der Norddeutschen Landesbank abzuziehen, welche in Kohle-, Gas- und Rüstungsindustrie investiert.

2019 hatte sich das Studierendenparlament bereits für einen Bankwechsel ausgesprochen. Seither versucht  auch die Initiative Fossil Free Lüneburg in Gesprächen mit der Verwaltung Druck auszuüben. Passiert ist bisher nichts – die Leuphana habe finanzielle Sicherheitsbedenken, denn im Falle einer Krise würde die Landesbank staatlich gerettet, worauf sich nachhaltige Banken nicht verlassen könnten. Aufgrund der ausbleibenden Konsequenzen hatte Jeschke in einem offenen Brief an die Unileitung bereits vor einigen Wochen Aktionen des zivilen Ungehorsams angekündigt. Dieser sieht die Finanzpolitik im Widerspruch zum Image der Universität: “Als ich vor zwei Jahren mein erstes Semester hier machte, hieß ein Modul ‘Wissenschaft trägt Verantwortung’. Ja, aber hallo! Da muss die Leuphana sich an die eigene Nase fassen!” Der öffentlichkeitswirksame Einsatz für Nachhaltigkeit in der Lehre sei unvereinbar mit Investitionen in Waffen und fossile Brennstoffe.

Die Universität hat auf die Protestaktion bisher nur mit einem Hausverbot reagiert. Die Farbe wurde bereits entfernt, doch der Protest soll aufrecht erhalten werden. Die nun ins Leben gerufene Kampagne #LeuphanaDivest traf sich bereits am Folgetag mit weiteren Studierenden, um die nächsten Aktionen zu planen. Im Raum steht unter Anderem ein kollektiver Boykott der Beitragszahlungen für das kommende Wintersemester.

 


Foto: (c) Extinction Rebellion Lüneburg 

11. Juni 2021

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Hanno Hinrichs Schreibt über Politik, Gesellschaft und Protestkultur