Eine besondere Verantwortung
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Eine besondere Verantwortung

In deutschen Medienhäusern wird heftig gerungen: Sollte Gendern zur Regel werden? Für manche käme das einer Zerstörung der deutschen Sprache gleich, für andere ist Gendern ein wichtiger Ausdruck von Gleichberechtigung. Ein Kommentar.

Wissenschaftlich ist unbestritten: Wer das generische Maskulinum hört oder liest, denkt eher an einen Mann, als an eine Frau. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil sich auf diese Weise überholte Rollenbilder und falsche Stereotype im Gedächtnis festschreiben. Geschlechtergerechte Sprache hingegen reduziert Stereotype und Diskriminierung. Von ihr profitieren deshalb vor allem Frauen und nicht-binäre Personen. Nicht-binär sind Menschen, deren Geschlechtsidentität außerhalb des Zweigeschlechtermodells von „Mann“ und „Frau“ liegt.

Gerade Journalist*innen sollte geschlechtergerechte Sprache ein besonderes Anliegen sein. Die Ziffer 12 im Deutschen Pressekodex besagt, dass niemand aufgrund des Geschlechts diskriminiert werden darf. Der Pressekodex als Selbstverpflichtung der Medien stellt Regeln für einen fairen Journalismus auf. Denn nicht alles, was von Rechts wegen zulässig ist, ist auch ethisch vertretbar. Wer durch journalistisches Arbeiten Tausende von Menschen erreicht, kann Sichtweisen beeinflussen und trägt deshalb eine besondere Verantwortung. Ich bin der Meinung: Die Medien sollten sich daher sensibel für alle Geschlechtsidentitäten zeigen und endlich konsequent gendern.

Gegner*innen geschlechtergerechter Sprache behaupten, dass durch das Gendern Verständlichkeit und Lesefluss leiden und dass gesprochene Sprache durch lästige Pausen und Wortanhängsel zerstört würde. Argumente, die nicht ziehen: Inzwischen gibt es einen Haufen geschlechtsneutraler Formulierungen, welche die auffälligen Sonderzeichen vermeiden. Viele Sätze lassen sich so umstellen, dass keine geschlechtlichen Formulierungen mehr nötig sind. Es bleiben nur wenige Wörter, die durch das Gendersternchen oder ein ähnliches Symbol verändert werden.

Am Ende stellt sich die Frage, ob wir aus purer Bequemlichkeit an einer erwiesenermaßen diskriminierenden Sprache festhalten wollen. Die Medien sollten es besser wissen und beim Gendern vorangehen – für eine gerechtere Gesellschaft, die auch in der Sprache sichtbar wird.


Titelbild: (c) pixabay

23. April 2021

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Lena Gröbe