Es geht ums Schaffen, um ein kreatives Sein, um die Verwirklichung eigener Projekte. Doch vor allem geht es um Gemeinschaft – ohne Gatekeeping, ohne Hürden.
In Lüneburg haben vier Freund*innen Seha, Joona, Jacob und Jan ein neues Kreativ-Kollektiv gegründet: NullPunktNull. Am Freitag, 30. Januar 2026, ab 19:30 Uhr findet ihr erstes Treffen im mosaique Lüneburg statt. Um was es bei dem Kollektiv gehen soll, für wen es offen steht und was sie geplant haben, erzählen sie in einem Interview mit univativ.
Was ist NullPunktNull und für wen ist es gedacht?
Jan: NullPunktNull ist für alle Leute gedacht, die noch nicht wissen, dass sie kreativ werden wollen oder keinen Bezug zu kreativer Arbeit haben. Also für Leute, die noch unerfahren sind, aber ein Interesse entwickeln wollen: An kreativen Sachen und Projekten, dafür ist NullPunktNull gedacht. Um einen Anlaufpunkt zu haben, egal was man machen möchte. Ob jetzt Theater, Schauspiel, Film oder Musik, alles ist möglich. Deswegen beschränken wir uns nicht auf eine Sparte, sondern inkludieren alles, was irgendwie kreativ ist. Dadurch die Leute zusammenzubringen, das ist die Grundidee.
Joona: Auch um einen Hotspot zu schaffen. In Seminaren und Vorlesungen stolpert man immer wieder über kreative Menschen, so haben wir uns auch kennengelernt. NullPunktNull soll ein Ort sein, wo man weiß: Okay, da sind Leute, die man kennenlernen kann, mit denen man vielleicht das nächste Projekt starten kann.
Wie kam es zu der Idee, das Kollektiv zu gründen?
Jan: Am Anfang meines Studiums hatte ich selbst ein bisschen Probleme, Anschluss im Kreativbereich hier in Lüneburg zu finden. Ich kannte niemanden und wusste auch nicht, wo man Leute finden kann, die Lust auf Film haben. Es gibt ganz viele Initiativen an der Uni, aber die Filminitiative oder die Toninitiative existieren seit zehn Jahren nicht mehr. Offiziell schon, aber inoffiziell antwortet da keiner.
Ich hatte dann die Idee, so ein Kollektiv zu machen, auch weil ich Events veranstalten möchte, was durch NullPunktNull ja umgesetzt werden könnte. Dann war ich mit Jacob im Urlaub und wir haben gemeinsam überlegt: Es wäre total cool, sowas zu gründen. Erst wollten wir es noch irgendwas mit Medien nennen, da haben wir uns aber dagegen entschieden, weil irgendwas mit Medien halt immer medial sein muss und wir noch offener und breiter aufgestellt sein wollen. Deshalb haben wir es anders genannt.
Nämlich NullPunktNull…
Jan: Der Name ist keine alkoholfreie Biermarke, es geht tatsächlich eher darum, dass das Kollektiv als Ursprung gedacht ist, also der Anfang von etwas Großem, von der Kreativität ist. Deswegen der Fokus auf den Leuten, die wenige Berührungspunkte mit dem kreativen Schaffen haben. Damit haben wir eine gute Nische gefunden, denn es gibt zwar viele Gruppen in Hamburg oder Hannover, die auf professionelle Dinge ausgelegt sind, aber für die Einsteiger*innen gibt es relativ wenige Angebote zum Vernetzen. Wir wollen einen niedrigschwelligen Einstieg ermöglichen.
Wie seid ihr organisiert?
Seha: Also momentan sind wir zu viert, zusammen mit Jacob, und wir organisieren unser erstes Treffen am 30. Januar. Außerdem wollen wir in diesem Jahr Workshops mit Leuten organisieren und Veranstaltungen wie ein Konzert auf die Beine stellen. Kleine Sachen, aber auch Größere.
Jan: Die Idee ist, dass das Kollektiv partizipativ wird, dass jeder eigene Sachen anbieten kann. Wenn man sich beispielsweise im Bereich Schauspiel sehr gut auskennt, kann man für andere einen Workshop geben. Die Leute sollen ihr Wissen einbringen können. Wir als Initiatoren wollen dem Kollektiv ein Rahmenprogramm und Struktur geben, damit Projekte nicht im Sande verlaufen, aber jeder kann und soll aktiv mitmachen.
Wie wollt ihr diese vielen verschiedenen kreativen Felder, die ihr erwähnt habt, zusammenbringen?
Jan: Die Idealsituation stelle ich mir so vor, dass jemand eine Idee oder ein Projekt hat und das mit dem Kollektiv teilt, um es gemeinsam zu verwirklichen. Einer kann eine Location für einen Auftritt organisieren, jemand anderes kann den Auftritt filmen, wieder jemand anderes steuert einen tollen Sound oder tolles Licht bei.
Zehn Kameraleute können nicht so etwas Gutes produzieren, wie wenn man zehn verschiedene Leute aus verschiedenen Gebieten hat, die das Ganze runder und vollendeter machen.
Ihr habt ja für euer erstes Treffen ein paar Programmpunkte geplant: Kurzfilme und Live-Musik. Sollen zukünftige Treffen auch ein Ort für die “Veröffentlichung” der gemeinsamen Projekte sein?
Joona: Wir wollen die nächsten Treffen zu einem offeneren Austausch machen, dass man mit aktiven Projekten hingeht und erzählen kann, wie es gerade läuft. Vielleicht sucht man noch nach Leuten, die einem bei dem Projekt helfen oder man macht bei dem NullPunktNull-Treffen Werbung. Aber wenn es sich anbietet, weil ein neuer Film oder ein neues Album fertig ist, dann ist die Bühne natürlich da.
Das Konzept für die folgenden Treffen soll also gemeinsam mit den Leuten erarbeitet werden, die beim ersten Treffen kommen und die ins Kollektiv einsteigen?
Jan: Genau. Am Anfang wollen wir eine Struktur schaffen und ein Beispiel geben: So könnte ein Treffen aussehen. Beim nächsten Treffen, das alle zwei Monate stattfinden soll, werden vorher in der NullPunktNull WhatsApp-Gruppe Ideen und Leute gesammelt, die etwas vorstellen wollen.

Was ist euer kreativer Wunsch für das Kollektiv?
Seha: Ich habe Lust auf eigene Projekte. Das Konzept des Kollektivs ist ja hauptsächlich learning-by-doing. Persönlich mache ich sehr viel mit Grafikdesign und wir vier zusammen machen viel im Film- und Videobereich, aber ich möchte auch Musikveranstaltungen organisieren. Während man an seinen Projekten arbeitet, merkt man, wie es geht und wie man das schaffen kann. Natürlich geht das nicht alles alleine, aber dafür ist das Kollektiv dann da: Dass man Fragen stellen kann und ohne professionelle Erfahrung einfach einsteigen und loslegen kann.
Joona: Es ist toll, in der WhatsApp-Community zu sehen, wenn irgendwelche Profikameras verliehen werden oder Leute nach Kompars*innen für Projekte suchen und man daran sieht, dass das Kollektiv lebt und dass das Angebot angenommen wird. Es sieht so aus, als würde das Kollektiv gebraucht werden.
Jan: Allein mit den Polarlichtern vor ein paar Tagen: Jeder hat seine Perspektive geteilt. NullPunktNull ist jetzt schon zu einer Community geworden. Ein bisschen Eigennutz ist natürlich auch dabei, weil man seine eigenen Projekte weiterbringen kann. Grundsätzlich aber gilt: Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Es gibt keine Konkurrenz, es gibt nur Kooperation.
Was wollt ihr gerne verwirklicht sehen?
Joona: Einfach eine rege kreative Community in Lüneburg, dass Sachen passieren.
Jan: Dass das Kollektiv sich selbst trägt und auf jeden Fall größer wird als wir, für den Fall, dass wir irgendwann fertig werden mit dem Studieren. Und vielleicht auch, dass NullPunktNull zu einer Art Eigenname wird, der benutzt wird, wie etwa “ich google etwas”.
Seha: Lüneburg ist so voll von Leuten, die tolle Forschungen und Recherchearbeit leisten, aber die gar nicht wissen, wie sie das präsentieren sollen. Mit Kreativität und verschiedenen Methoden könnten sie in der Kommunikation besser werden und darin, wie man Wissenschaft vermittelt.
Jan: Und dass es nicht nur Studierende sind. Das ist uns auch ganz wichtig: Wir wollen alle ansprechen, für alle in Lüneburg eine Anlaufstelle sein.
Habt ihr ein konkretes Beispiel für ein Projekt? Was können sich unsere Leser*innen unter den kreativen Möglichkeiten vorstellen?
Jan: Wir haben mal ein Filmfestival in einem kleineren Rahmen gemacht, mit ein paar Freunden. Über 72 Stunden haben wir von der Idee bis zum fertigen Film alles in drei Tagen am Stück gemacht. Sowas könnte man im größeren Rahmen aufziehen: Die Leute finden sich in Teams zusammen und dann macht man eine Art Festival draus, bei dem jeder seinen Film am Ende zeigen kann.
Habt ihr Tipps, um die kreative Arbeit und das Studium oder den Job unter einen Hut zu bekommen?
Seha: Also ich glaube, ob jetzt vor oder während des Studiums, dass die Felder irgendwann zusammenkommen. Man muss nicht alles trennen. Einfach weitermachen und dann merkt man später, dass sich vieles auch kombinieren lässt.
Jan: Und Ja sagen. Wenn einem etwas angeboten wird und sich eine Möglichkeit auftut: Ja sagen – mit manchen Ausnahmen natürlich.
Was ist euch noch wichtig zu sagen?
Seha: NullPunktNull ist für alle interessierten Leute: Kommt in die Whatsapp-Gruppe, stellt Fragen, was beschäftigt euch? Und wenn ihr etwas zusammen lernen wollt, fragt! Helft anderen, bildet eine Lerngruppe, vernetzt euch. Das Kollektiv soll ein einfacher Zugang zu einem neuen Weg sein.
Vielen Dank für eure Antworten und dass ihr heute da wart!
Wenn ihr mehr über das Kollektiv NullPunktNull erfahren wollt:
Am Freitag, 30. Januar 2026 findet im mosaique Lüneburg um 20 Uhr ein Treffen statt, Einlass ist ab 19:30 Uhr.
Oder wenn ihr es nicht zum ersten Treffen schafft über ihre Website oder Instagram:
www.nullpunktnull.de @nullpunktnull.lueneburg
Fotos: Benedikt Wetterau
