Ab Ende 2028 soll die RB 39 zwischen Lüneburg und Soltau fahren – mit einer eigenen Station direkt am Campus. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen hat den Betrieb jetzt an die erixx GmbH vergeben. Was das für die Leuphana bedeutet, wie alt die Idee eigentlich schon ist – und warum der Haltepunkt bundesweit eine Seltenheit wäre.
Wer bislang von der Leuphana aus mit der Bahn fahren wollte, musste zum Bahnhof Lüneburg. Das soll sich ändern: Auf der reaktivierten Strecke zwischen Lüneburg und Soltau ist ein eigener Haltepunkt direkt an der Universität vorgesehen, benannt „Lüneburg Universität“. Er ist einer von sechs neuen Halten der Linie RB 39, die unter dem Arbeitstitel „Salzexpress“ firmiert.
Die Fakten zur neuen Linie
Am 20. August 2026 hat die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) den Betrieb der Strecke ausgeschrieben und an die erixx GmbH vergeben, die sich gegen zwei weitere Bewerber durchsetzte. Der Verkehrsvertrag läuft von Dezember 2028 bis Dezember 2033, mit Option auf zwei weitere Jahre. Im Stundentakt sollen Triebzüge unterwegs sein, die Fahrzeit zwischen Lüneburg und Soltau soll bei rund 50 Minuten liegen, 13 bis 18 Zugfahrten pro Richtung und Tag sind geplant. Die LNVG rechnet mit etwa 3.000 Fahrgästen täglich.
Die sechs Halte zwischen den beiden Endbahnhöfen: Lüneburg Universität, Rettmer, Melbeck-Embsen, Amelinghausen, Soderstorf und Bispingen. Ein Halt in Soderstorf war lange offen, die Entscheidung dafür fiel erst im April 2025. Weitere Stationen seien wegen der damit verbundenen Fahrzeitverlängerung nicht realisierbar, hieß es damals vom Landkreis.
Konkret verortet ist der neue Halt an der Uelzener Straße 110. Von dort sind es laut aktueller Planung rund 500 Meter beziehungsweise sieben Minuten Fußweg bis zum Zentralgebäude, bis zur Mensa sind es etwa 800 Meter oder elf Minuten.
Da die Strecke bislang nicht elektrifiziert ist, kommen zunächst Dieseltriebwagen zum Einsatz, die erixx selbst beschaffen und instand halten muss. Ab voraussichtlich 2033 sollen Akku-Triebzüge folgen – dafür soll in Soltau eine sogenannte Oberleitungsinsel entstehen, an der die Züge während der Wendezeit nachladen. Die RB 39 wird dann zusammen mit der RB 37 (Bremen–Soltau–Uelzen) und der RB 38 (Hannover–Soltau–Hamburg-Harburg) im Netz „Heidekreuz“ gebündelt.
Mehr zum Thema Reaktivierung von Stationen und Strecken liefert die LNVG.
Eine echte Seltenheit unter deutschen Hochschulstandorten
Ein Bahnhof namens „Universität“ ist an sich nichts Ungewöhnliches – Dortmund und Stuttgart haben ihn längst. Was den Lüneburger Haltepunkt besonders macht, ist die Kombination aus Name, Campusnähe und Verkehrsart: Anders als an den meisten anderen Standorten soll hier keine S-Bahn, U-Bahn oder Straßenbahn halten, sondern eine klassische Regionalbahn.
Wo der Bahnhof „Universität“ heißt, verkehrt meist nur eine S-Bahn – wie in Dortmund und Stuttgart. Wo tatsächlich eine Regionalbahn hält, trägt der Halt in der Regel einen anderen Namen, etwa „Fachhochschule“ (Schmalkalden), „Hochschulstadtteil“ (Lübeck) oder schlicht einen Ortsnamen wie Griebnitzsee (Uni Potsdam). Mit „Lüneburg Universität“ als RB-Halt direkt am Campus würde die Leuphana beide Kriterien gleichzeitig erfüllen – eine Kombination, die sich unter den größeren deutschen Hochschulstandorten kaum ein zweites Mal findet.
Der Name ist neu, die Idee nicht
Ganz neu ist der Gedanke eines Bahnanschlusses für den Campus allerdings nicht. Bereits 2009 lief unter Leitung von Prof. Pez eine Studie zur Erschließung der Leuphana per Bahn, initiiert vom damaligen Hauptamtlichen Vizepräsidenten Holm Keller. In der Praxis blieb es lange bei der Idee: Der rund 650 Meter lange Fußweg vom nächstgelegenen Halt, der Haltestelle Lüneburg Kurpark, zum Campus galt damals als zu weit, um gegen die direkt am Campus haltende Buslinie 5001 zu bestehen.
Wie sich eine Bahnanbindung anfühlen könnte, ließ sich schon einmal live erleben. Zur Startwoche 2016 organisierten Leuphana-Startwoche-Team und die ehrenamtlichen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL) zwei Sonderfahrten mit einem historischen Dieseltriebwagen von 1955 vom Lüneburger Bahnhof über die Bahnstrecke Lüneburg–Soltau bis zur Haltestelle Lüneburg Kurpark – für diesen Tag umbeschildert als „Leuphana University“, weil die Deutsche Bahn den eigentlichen Markennamen nicht für die Zugbeschilderung freigab. Univativ war live dabei und berichtete damals von der Fahrt mit dem sogenannten „Leuphana-Express“ – inklusive Langsamfahrstellen, Lokführermützen und einer Reaktivierungsstudie, die die Strecke Lüneburg–Soltau schon 2016 auf dem Zettel hatte, aber damals andere Strecken bevorzugte. Zehn Jahre später ist aus dem symbolischen Namensschild nun ein regulär geplanter, dauerhafter Haltepunkt mit eigener Adresse geworden.
Alte Strecke, neuer Personenverkehr
Neu ist vor allem der Personenverkehr, nicht die Strecke selbst. Die 57 Kilometer lange Bahnstrecke Lüneburg–Soltau wurde bereits 1913 als Kleinbahn eröffnet und diente über Jahrzehnte dem Ausflugs- und Güterverkehr durch die Lüneburger Heide. Der planmäßige Personenverkehr endete schrittweise 1975 und 1977, seither rollen auf der Strecke nur noch Güterzüge sowie gelegentlich historische Museumszüge unter dem Namen „Heide-Express“.
Eine erste Prüfung zur Reaktivierung 2015 fiel negativ aus: Das Nutzen-Kosten-Verhältnis lag bei -0,72. Eine erneute Standardisierte Bewertung, die der Landkreis Lüneburg 2018 in Auftrag gab, kam 2022 zu einem anderen Ergebnis – ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 8,0 für den Abschnitt Lüneburg–Amelinghausen und von 2,8 für die Gesamtstrecke. Damit war der Weg für das heutige Projekt frei. Betreiberin der Infrastruktur ist inzwischen die landeseigene Schieneninfrastruktur Ost-Niedersachsen GmbH (SInON), die das Streckennetz der früheren OHE zum 1. Januar 2022 übernommen hat.
Zeitplan mit Fragezeichen
Ganz sicher ist der Starttermin noch nicht. Ursprünglich sollte die RB 39 bereits 2029 rollen, dann rückte Anfang 2025 ein Start Ende 2027 in greifbare Nähe. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass umfangreichere Lärmschutzmaßnahmen nötig sind als angenommen – seither wird mit einer Betriebsaufnahme Ende 2028 gerechnet, die eigentlichen Bauarbeiten sollten im Sommer 2027 beginnen.
Nach aktuellem Stand auf der Projektseite von SInON ist die Vorprüfung der Planfeststellungsunterlagen mittlerweile abgeschlossen, die finalen Unterlagen sollten im Juli/August eingereicht werden. Parallel läuft seit Juni der große Streckenumbau: Auf den Abschnitten Soderstorf–Grevenhof und Hützel–Bispingen werden Gleise erneuert. Im April fanden zudem Infoveranstaltungen in Lüneburg, Amelinghausen und Bispingen statt, laut SInON mit überwiegend positivem Feedback. Verbindlich wird das Projekt aber erst mit dem Abschluss der Planfeststellung – bis dahin, warnt SInON auf ihrer Seite selbst, seien Änderungen an Details wie Haltepunkten oder Zeitplan weiterhin möglich. Das gilt im Zweifel auch für den Namen der Station.
Für den Campus bedeutet das vorerst: Der Name „Lüneburg Universität“ steht, die Adresse ist bekannt – ein Fahrplan mit Wagen davor noch nicht.
Bild: flickr – CC – Gustav Sommer – 20230814-100447-XS20-DSCF4028 – https://flic.kr/p/2oVP9Hv
