Bock auf Wahl?
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Bock auf Wahl?

Am 2-4.12.2013 finden die studentischen Wahlen statt, es geht um Gremien und das Semesterticket. Im Vorfeld wird es wieder Wahlkampf geben.

Beklebte Fenster mit Wahlwerbung im Hörsaalgang/(CC)Foto:Christopher Bohlens
Beklebte Fenster mit Wahlwerbung im Hörsaalgang/ (CC) Foto: Christopher Bohlens

Alle Jahre wieder finden Anfang Dezember die Wahlen zu den studentischen und akademischen Gremien statt. Gewählt werden dürfen: Studierendenparlament, Fachgruppenvertretungen, studentische Mitglieder im Fakultätsrat und Senat sowie das Semesterticket.

In den nächsten Wochen wird der Campus wie in den vergangenen Jahren wieder mit vielen Plakaten beklebt, mit Logos auf Hauswänden und Boden besprüht, Flyer werden auf jedem Tisch liegen und unzählige E-Mails oder Facebook-Nachrichten im Postfach bzw. in den Gruppen eintreffen. Vor der Mensa oder im Hörsaalgang werden wieder die Kandidaten stehen und dort etwas für das leibliche Wohl anbieten oder sich mit ihren Programmen präsentieren. Die ersten oder letzten fünf Minuten der großen Vorlesungen werden von Kandidaten besucht, um für sich und die Liste zu werben.

Wahlkampf an der Leuphana bedeutet, mit einer Propaganda- und Materialschlacht um jeden einzelnen Wähler zu buhlen

Doch worum geht es dabei, die Wahl zu gewinnen? Sicher nicht um eine Abgeordnetendiät, denn so eine gibt es nicht. Die Motive unterscheiden sich für jedes einzelne Gremium. Während sich die Fachgruppenvertreter mit bis zu fünf Personen um die Belange der Studierenden ihres eigenen Studiengangs kümmern, wählt und kontrolliert das Studierendenparlament (StuPa) den AStA und den studentischen Haushalt. Die studentischen Mitglieder im Fakultätsrat kümmern sich um Belange der Fakultäten und sind eine gehörte und respektierte Minderheit im Fakultätsrat. Genauso wie im Senat, wo drei Studierende Platz nehmen dürfen, wenn es um die Belange der gesamten Leuphana geht. Dafür besitzen die Mitglieder im Senat ein umfassendes Informationsrecht und können bei wegweisenden Entscheidungen partizipieren.

Schließlich bleibt noch die Wahl des Semestertickets zu nennen, welches sich in zwei Lager klassifizieren lässt: Hamburg und Niedersachsen. Die einen möchten gern den HVV-Gesamtbereich nutzen, die anderen möglichst alle Strecken in Niedersachsen. Die Busse in Lüneburg, das StadtRad und das Semesterticket Kultur waren bisher nie große Streitthemen, da sich bei beiden Letzteren sich in der Urabstimmung die Studierenden stark dafür ausgesprochen haben.

Richtlinien für einen “sauberen Wahlkampf”

Zur letzten Wahl musste der Wahlausschuss, welcher für die organisatorische Durchführung der Wahl verantwortlich ist, einige Richtlinien aufstellen. Hierzu gehörten: Keine Plakate überkleben oder zerreißen; Keine Werbemittel verändern oder entfernen; Im Essensraum der Mensa dürfen keine Flyer ausgelegt werden; Keine Werbemittel am Tag der Wahl im Wahllokal; Wahlwerbung nach der Wahl zeitnah entfernen.

Dennoch kam es, so nach Angaben eines Beobachters, zum Entfernen oder Umhängen von Wahlwerbung, zum Betreiben von Webseiten mit einer „unabhängigen“ Analyse der Kandidaten/Listen, Verleumdungen, Aufzeigen von Beziehungsgeflechten, Versenden von Nachrichten unter falscher Absenderkennung, Zweckentfremdung von Facebook-Kommentaren zur Wahlwerbung und schließlich die Verbreitung anonymer Flugblätter.

Ein anonymer Autor schrieb zu der letzten Wahl über einige E-Mail Listserver der Leuphana: „Es ist besser mit den KandidatInnen persönlich zu sprechen, weil es im wahren Leben schwieriger ist, eine Maske aufzusetzen als im Internet. Jede Person besitzt im wahren Leben eine Identität und nicht mehrere wie im Internet.“ Dies richtete sich scheinbar auf die verschiedenen E-Mails und Internetseiten mit Verleumdungen und Behauptungen, welche zum Zeitpunkt der Wahl aktuell waren.

[Der Autor kandidierte bei der letzten Hochschulwahl und tut dies auch bei der aktuellen Wahl.]

In einer früheren Version des Artikels war die Rede von anonymen oder teilweise anonymen Webseiten mit einer “unabhängigen” Analyse. Diese Angaben haben wir überarbeitet.

Autor: Christopher Bohlens

4. November 2013

About Author

Christopher Bohlens Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltungen, wo es so richtig kracht. Liebt investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.