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Bezahlbarer Wohnraum knapp: 1.183 Studierende warten beim Studierendenwerk OstNiedersachsen auf einen Wohnheimplatz

Zum Start des Wintersemesters wird die Suche nach bezahlbarem Wohnraum für viele Studierende zur Herausforderung. Bundesweit stehen mehr als 105.000 Menschen auf den Wartelisten der Studierendenwerke. Beim Studierendenwerk OstNiedersachsen sind es 1.183. Für den Hochschulstandort Lüneburg trifft die hohe Nachfrage nach Wohnheimplätzen auf einen studentischen Wohnungsmarkt, auf dem der Preis des WG-Zimmers zunehmend darüber entscheidet, wie teuer ein Studium tatsächlich wird.


Zum Stichtag 15. September 2026 standen bundesweit 105.016 Studierende auf Wartelisten für einen Wohnheimplatz. Das geht aus einer Abfrage des Deutschen Studierendenwerks (DSW) hervor. 54 Studierendenwerke meldeten dafür Zahlen zurück. Besonders lang sind die Wartelisten beim Studierendenwerk Aachen mit 11.170 und beim Studierendenwerk München Oberbayern mit 10.812 Personen. Beim Studierendenwerk OstNiedersachsen sind 1.183 Studierende registriert, die auf einen Wohnheimplatz warten. Für Lüneburg ist diese Zahl allerdings mit einer wichtigen Einschränkung zu betrachten: Die 1.183 Wartenden können nicht allein Lüneburg zugerechnet werden.

Studierendenwerk betreut zehn Standorte

Das Studierendenwerk OstNiedersachsen ist für eine ganze Region zuständig. Insgesamt betreibt es 77 Einrichtungen an zehn Standorten: Braunschweig, Buxtehude, Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Holzminden, Lüneburg, Salzgitter, Suderburg, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Dazu gehören neben Wohnheimen unter anderem Mensen, Beratungsstellen, BAföG-Stellen und Kinderbetreuungseinrichtungen.

Das Studierendenwerk ist unter anderem für die Studierenden der Leuphana Universität Lüneburg zuständig. In Lüneburg unterhält es eine Mensa, sechs Wohnheime, eine BAföG-Stelle, zwei Beratungsstellen, zwei Kindergärten und ein Kulturbüro.

Die vom Deutschen Studierendenwerk veröffentlichten 1.183 Wartelistenplätze beziehen sich auf das Studierendenwerk OstNiedersachsen insgesamt. Eine Aufschlüsselung, wie viele der Wartenden konkret einen Wohnheimplatz in Lüneburg suchen, enthält die DSW-Erhebung nicht. Auch in der Übersicht nach Bundesländern wird ausschließlich die Gesamtzahl für das Studierendenwerk ausgewiesen.

Niedersachsenweit mehr als 6.000 Wartende

Auch der Blick auf Niedersachsen zeigt die hohe Nachfrage. Insgesamt weist das Deutsche Studierendenwerk für das Bundesland 6.166 Wartelistenplätze aus. Davon entfallen 2.336 auf das Studentenwerk Hannover, 2.285 auf Göttingen, 1.183 auf OstNiedersachsen und 362 auf Osnabrück. Für Oldenburg wurde keine Zahl angegeben.

Bundesweit fällt der Bedarf noch erheblich größer aus. Nach Angaben des Deutschen Studierendenwerks stehen den Studierenden rund 196.000 Wohnheimplätze zur Verfügung. Im Durchschnitt kostet ein solcher Wohnplatz demnach rund 330 Euro im Monat. Damit stellen die Wohnheime insbesondere für Studierende mit einem begrenzten Budget eine wichtige Alternative zum freien Wohnungsmarkt dar.

WG-Zimmer kostet bundesweit rund 510 Euro

Zum Wintersemester 2026/27 werden für ein gewöhnliches WG-Zimmer an den untersuchten Hochschulstandorten im studierendengewichteten Mittel rund 510 Euro Warmmiete im Monat verlangt. Das zeigt die aktuelle Untersuchung des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) und von WG-Gesucht.de. Im Sommersemester 2026 waren es 512 Euro, im Wintersemester 2025/26 rund 505 Euro. Im Jahresvergleich ergibt sich damit ein Anstieg von etwa einem Prozent.

Für die Untersuchung wurden 90 deutsche Hochschulstandorte mit mehr als 5.000 Studierenden betrachtet. Grundlage ist eine Stichprobe von 3.870 Angeboten bestehender Wohngemeinschaften. Untersucht werden Warmmieten für Zimmer in Zwei- bis Drei-Personen-WGs; Strom, Internet und die Ausstattung gemeinschaftlich genutzter Räume sind überwiegend bereits enthalten.

Der nahezu unveränderte bundesweite Durchschnitt bedeutet allerdings nicht, dass sich auf dem studentischen Wohnungsmarkt wenig bewegt. Nach Einschätzung der Forscher entwickeln sich die einzelnen Hochschulstädte preislich zunehmend auseinander.

Der Studienort wird zur Kostenfrage

Besonders deutlich wird das im Zehnjahresvergleich. Im Wintersemester 2016/17 lag der studierendengewichtete Deutschlandwert für ein WG-Zimmer noch bei rund 349 Euro. Inzwischen sind es rund 510 Euro. Gleichzeitig ist der relative Abstand zwischen dem unteren und oberen Viertel der Standortmediane gegenüber 2016/17 um rund 27 Prozent gewachsen.

Auch die preisliche Mitte schrumpft. Vor zehn Jahren waren noch 35,4 Prozent der Studierenden an Hochschulstandorten eingeschrieben, deren Median höchstens zehn Prozent über oder unter dem damaligen Deutschlandwert lag. Im Wintersemester 2026/27 sind es nur noch 20,7 Prozent. Gleichzeitig studieren 46,1 Prozent an Standorten des unteren und 33,2 Prozent an Standorten des oberen Preissegments.

Damit gewinnt die Wahl des Hochschulorts auch finanziell an Bedeutung. Besonders teuer ist das WG-Wohnen derzeit in München mit einem Median von 850 Euro. Berlin und Hamburg kommen jeweils auf 650 Euro, Köln auf 640 Euro und Frankfurt am Main auf 630 Euro.

BAföG-Wohnkostenpauschale reicht vielerorts nicht

Verschärft wird die Situation durch die große Differenz zur BAföG-Wohnkostenpauschale. Diese beträgt im Wintersemester 2026/27 weiterhin 380 Euro. Die ursprünglich bereits für dieses Wintersemester vorgesehene Anhebung wurde auf das Sommersemester 2027 verschoben. Dann soll die Pauschale auf 440 Euro steigen.

Derzeit liegt der Median der WG-Wohnkosten an 76 von 90 untersuchten Hochschulstandorten über den 380 Euro. An diesen Standorten sind 84,4 Prozent der in der Untersuchung berücksichtigten Studierenden eingeschrieben. An 48 Standorten liegt sogar bereits das erste Quartil der beobachteten WG-Preise über der aktuellen Pauschale. Das bedeutet vereinfacht: Selbst ein erheblicher Teil der günstigeren Angebote kostet dort mehr, als die BAföG-Pauschale für das Wohnen vorsieht.

Auch die Erhöhung auf 440 Euro wird diese Lücke nicht überall schließen. Gemessen an den heutigen Preisen liegt der Median an 45 der 90 untersuchten Standorte über diesem Betrag.

Was bedeutet das für Lüneburg?

Die bundesweiten Zahlen liefern dennoch wichtigen Kontext für die Situation in der Hansestadt. Studierende der Leuphana, die keinen Wohnheimplatz erhalten, müssen unter anderem auf WGs und Wohnungen des freien Marktes ausweichen. Gleichzeitig unterhält das Studierendenwerk OstNiedersachsen in Lüneburg sechs Wohnheime.

Der Bedarf an günstigen Wohnheimplätzen zeigt sich in der regionalen Warteliste. Die 1.183 Wartenden beim Studierendenwerk OstNiedersachsen dürfen dabei zwar nicht als Lüneburger Warteliste verstanden werden. Sie verdeutlichen aber, dass die Nachfrage nach studentischem Wohnraum im Zuständigkeitsgebiet des Studierendenwerks erheblich ist.

Für Lüneburg treffen damit zwei Entwicklungen aufeinander: Zum einen bleibt günstiger studentischer Wohnraum eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Studium unabhängig vom eigenen finanziellen Hintergrund möglich ist. Zum anderen zeigt die aktuelle MMI-Untersuchung, dass sich die Wohnkosten zwischen Deutschlands Hochschulstandorten immer stärker unterscheiden. Wo Studierende ein WG-Zimmer oder einen Wohnheimplatz finden – und zu welchem Preis –, wird damit zu einem zunehmend wichtigen Teil der Studienkosten.

Leuphana-Portal und AStA-Bettenbörse

Für Studierende, die zum Semesterstart noch keine Unterkunft gefunden haben, gibt es in Lüneburg zusätzlich eine Bettenbörse. Universität und AStA koordinieren dafür kurzfristige Schlafmöglichkeiten. Personen mit Leuphana-Mail-Account können über das Portal der Universität Unterkünfte suchen oder anbieten. Der AStA sammelt ergänzend Angebote von Personen ohne Leuphana-Account, die beispielsweise ein freies Sofa, Gästezimmer oder einen anderen Schlafplatz zur Verfügung stellen können. Studierende, die über das Uni-Portal zunächst nicht vermittelt werden können, sollen anschließend an den AStA weitergeleitet und nach Möglichkeit mit diesen zusätzlichen Angeboten zusammengebracht werden.

Die Bettenbörse ist ausdrücklich nicht als Ersatz für die reguläre Wohnungssuche gedacht. Vermittelt werden zeitlich begrenzte private Schlafplätze, die in der Regel kostenlos oder gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung gestellt werden. Das können beispielsweise freie Zimmer von Studierenden sein, die Ende September oder Anfang Oktober noch nicht wieder in Lüneburg sind, vorübergehend verfügbare Wohnzimmer oder Sofas in WGs sowie Gästezimmer von Beschäftigten der Leuphana.

 


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Christopher Bohlens

Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltungen, wo es so richtig kracht. Liebt investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.

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