Der Semesterbeitrag schießt zunehmend in die Höhe, unter den Studierenden herrscht Wohnungs- und Geldmangel. Gleichzeitig stehen am Campus Projekte wie die Aufarbeitung der Campusgeschichte und die Nutzung neuer Flächen an.
Diesen und weiteren Themen- wie der Frage nach seinem eigenen Gehalt- stellte sich Leuphana-Präsident Spoun in der diesjährigen StuPa-Fragerunde.
Am Mittwoch, den 11. Februar, war Universitätspräsident Prof. Dr. Sascha Spoun einmal mehr in das Studierendenparlament (Stupa) geladen. Ihn begleitete Thies Reinck, die Ombudsperson für Studierende und Lehrende. Anwesend waren zu Beginn der Sitzung acht Parlamentarier*innen (von 17) und drei Gäst*innen. Spoun besucht das StuPa einmal jährlich, um sich den Fragen der verschiedenen Listen, den zu stellen. Die Listen hatten ihre Fragen wie üblich im Voraus schon an das Präsidium geschickt, sodass dieses sich entsprechend vorbereiten konnte.
Aus der Studierendenschaft kamen Fragen zu den Themen Campusgestaltung, Wohnungsmangel der Studierenden und dem Semesterbeitrag. Außerdem widmete man sich den Themen Gleichstellung, KI-Nutzung an der Uni, Mangel an Bachelorbetreuenden, der Bildung für alle und nicht zuletzt dem Gehalt von Sascha Spoun.
Aufarbeitung der Campusgeschichte
Zu Beginn der Fragerunde ging es um die geplanten Infotafeln zur Aufarbeitung der Campusgeschichte als ehemalige Kaserne im Zweiten Weltkrieg. Laut Spoun mussten die Arbeiten witterungsbedingt aktuell eingestellt werden. Sobald die Witterung es zulasse, sollen die Tafeln wie geplant aufgebaut werden.
Spoun zum Wohnungsmangel und Stand der Gleichstellung bei Leuphana-Beschäftigten
Ein weiteres, besonders prägnantes Thema ist der erhebliche Wohnungsmangel bei Studierenden. Dies auch vor dem Hintergrund der gestiegenen Nachfrage nach Studienplätzen an der Leuphana. Das Präsidium hat in der Vergangenheit schon Initiative in Sachen Wohnraum für Studierende ergriffen. So gab es etwa zu Anfang der 2010er Jahre das Vorhaben, ein Grundstück zu erwerben. Dazu sei es allerdings nicht gekommen, denn die Stadt habe andere Pläne gehabt. Für das Wohnraum-Thema in Lüneburg sei das Studierendenwerk OstNiedersachsen zuständig. Wegen der derzeit laufenden Sanierungsmaßnahmen an anderen Hochschulstandorten befinde es sich aber in einer schwierigen finanziellen Lage.
Nicht nur an Studierendenwohnungen scheint es zu mangeln, sondern auch an Führungspositionen für weiblich gelesene Personen. Spoun äußerte sich zur Frage nach den Gleichstellungskonzepten. Mit Blick auf die Gleichstellungsthematik erläuterte er Erfolge und Problemstellungen. In der „klassischen Sekretariatstätigkeit“ gebe es eine starke Besetzung mit weiblich gelesenen Personen. Bei den Professor*innen gebe es in den W1 (Juniorprofessur) und W2 (Vollprofessur) Kategorien einen hohen Anteil an weiblich gelesenen Personen. In der W3 (Vollprofessur) Kategorie sei der Anteil an weiblich gelesenen Personen laut Spoun aber deutlich zu niedrig, aktuell bei 28%. Das sei besser als der deutsche Durchschnitt, aber immer noch nicht gut. Daran müsse weiter gearbeitet werden.
Der Semesterbeitrag ist zu hoch- die Zahl der Bachelorbetreuenden zu niedrig?
Die aktuelle Höhe des Semesterbeitrags wurde ebenfalls thematisiert. Spoun erläutere zunächst dessen Zusammensetzung und fing bei dem Studierendenwerksbeitrag an, der aufgrund des bereits thematisierten Sanierungsbedarfs von Wohnheimen gestiegen sei. Bezüglich des Verwaltungskostenbeitrags betonte er, dass dieser weiter steigen könnte, wenn man darüber in die Debatte ginge.
Das Semesterticket, so Spoun, fresse weitere 40-50% des gesamten Beitrags. Nicht zu hoch sei für ihn der Beitrag für die studentische Selbstverwaltung in Höhe von 21€- wegen der dort inbegriffenen Angebote. Der Ansatz, politisch für den Semesterbeitrag aktiv zu werden, hat aus Sicht Spouns wenig Aussicht auf Erfolg.
Es wurde sich anschließend der Frage nach dem Umstand gewidmet, dass zunehmend Lehrende nur mit Lehrauftrag eingestellt werden würden, wodurch die Betreuung von Bachelorstudierenden leiden könnte. Systematisch könne nicht festgestellt werden, dass mehr befristete Lehrende eingestellt werden würden, so Spoun. Strukturell gäbe es keinen Abbau an Lehrpersonal. Der Anteil der Lehraufträge sei unter 20%. Spoun ging auch darauf ein, dass die evangelische Theologie als Lehramtsfach doppelt so viele Studierende wie Plätze habe, da das Fach zulassungsfrei sei. Durch Mittel aus freien Stellen werde Personal finanziert. Im Studium der Politikwissenschaft gebe es auch einen Überschuss; verglichen zu anderen Unis könne man, so Spoun, aber damit leben und sei froh, dass die Universität so attraktiv sei. Er betonte zudem, dass im Studium der Rechtswissenschaften ein Überschuss hingenommen worden sei, da es im VWL-Bereich eine geringere Nachfrage gegeben habe, die man ausgleichen wollte. Man habe keine Sorge, dass sich die Situation weiter zuspitze, da nun für fast jedes Fach ein NC vonnöten sei. Spoun bat die Studierendenschaft darum, zu präzisieren wo Bachelorbetreuende fehlen und dies an Thies Reinck weiterzutragen.
Jobsuche nach dem Studium zunehmend erschwert
Die Frage nach großen finanziellen Belastungen im Studium und erschwerten Jobchancen danach beantwortete Spoun mit Verweis auf strukturelle Veränderungen. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, etwa in Behörden, fielen zunehmend Einstiegs- und Recherchejobs weg. Daher wolle die Universität den Kompetenzausbau mit KI fördern. Im Januar habe es dazu eine Debatte im Senat gegeben, es drehte sich um die Fragen wie Studienprogramme und Prüfungen aufgrund von KI umgebaut werden müssten. Im Sommersemester solle das in die Gremien weitergeleitet werden.
Außerdem betonte Spoun, die Finanzierung des Studiums habe nicht mehr mit der Inflationsrate mitgehalten. Hier sei eine Reform nötig, aktuell aber politisch nicht absehbar. Zudem seien Bundesmittel für Hochschulen in den Ländern teilweise nicht zweckentsprechend verwendet worden- ein strukturelles Problem, dass grundlegende Verbesserung erschwere.
Was verdient der Präsident? Und was wird neu gebaut auf dem Campus?
Ein weiteres finanzielles Thema in der Runde war Spouns Gehalt. Der Universitätspräsident reagierte zunächst erstaunt: Es sei das erste Mal, dass er diese Frage von einer Liste bekäme. Thies Reinck würde Ihn so etwas nicht fragen. Spoun gab dann an, dass es ein W3 Gehalt sei, wozu darüber hinaus Funktions- und Leistungsboni kämen. Es ginge nach Regeln, die das Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) gesetzt habe und es sei in Niedersachsen einheitlich. Ihm ginge es bei seiner Arbeit aber nicht ums Geld, denn er habe, als er hier angefangen hat, weniger verdient als im Job davor.
Auch über die neu übernommene Baufläche am Zentralgebäude und ihre Gestaltung wurde gesprochen. Die erste Priorität sei dort, so Spoun, Raumkapazitäten für Forschung und neue Mitarbeitende zu schaffen, die aufgrund steigender Drittmittel-Einwerbungen und des Wachstums der Staatswissenschaften dringend benötigt werden. Spoun ging zudem auf andere Gebäude auf dem Campus ein. So müsse etwa für die Sporthalle ein Ersatz-Neubau anstatt einer Renovierung realisiert werden. Ein weiteres Thema seien Innovation- und Maker Spaces, von denen schon einige wie das „Trafos“ vorhanden sind. Auch veraltete Labore müssten ersetzt werden. Mit „e.novum“ laufen, so Spoun, ebenfalls Gespräche über Nutzungsmöglichkeiten, das Ganze sei aber ein mehrjähriger Prozess.
Insgesamt gebe es auf dem Campus mehrere Bauprojekte, unter anderem an den Außenanlagen. Zudem wolle man Hörsaal 1 und 2, sowie Gebäude 9 sanieren.
Förderung der KI-Nutzung- und der Bildung für alle?
Beim nächsten Thema, KI-Nutzung an der Uni, räumte Spoun ein, dass derzeit allgemein ungleiche Bedingungen herrschen. Manche Studenten nutzten KI intensiv und andere gar nicht. Zu dem Thema wolle man in die Fakultäten und den Senat gehen und neue Ideen entwickeln, die vielleicht im Sommer 2027 angewendet werden können. Es solle zudem ein Diskussionsprozess in diesem Jahr stattfinden, sodass bis Herbst 2027 geplant werden könne. Außerhalb der Uni lasse es sich kaum kontrollieren, welche KI‘s benutzt werden. Ziel sei es daher, Rahmenbedingungen zu schaffen. Es gebe bereits eine Richtlinie zur KI-Nutzung bei Lehrenden- KI solle nicht zurückgedrängt, sondern sinnvoll und prüfungsrechtlich sicher eingesetzt werden. In Zukunft, so Spoun, vielleicht auch bei der Klausurenkorrektur.
Bezüglich des ungleichen Zugangs zu Bildung, beispielsweise für Personen aus Arbeiter*innenfamilien sei es, so Spoun, am besten, in die frühkindliche Bildung zu investieren. Er thematisierte außerdem das 2007 eingeführte Zulassungsverfahren, in dem bewusst Zusatzpunkte z.B. für eine betriebliche Ausbildung vergeben werden. Für Zulassungs- und Auswahlverfahren sei die Hochschulzugangsberechtigung (HZB) als Grundlage vorgeschrieben – das schränke die Handlungsspielräume ein. Spoun hob noch die Gruppe „Arbeiterkind“ positiv hervor und betonte, für Diskussion offen zu sein. Das Ziel der Gleichberechtigung sei mit den bisherigen Versuchen noch nicht ganz erreicht worden. Auf eine Rückfrage zu den Zusatzpunkten im Zulassungsverfahren antwortete Spoun, dass auch eine sehr leistungsstarke, engagierte Gruppe am Campus vonnöten sei. Man wolle Menschen mit schwierigen Startbedingungen unterstützen, aber brauche dafür auch die engagierten Studenten, damit Peer to Peer learning funktioniere.
Nach rund 60 Minuten war die Fragerunde beendet und das Studierendenparlament widmete sich seinen weiteren Tageordnungspunkten.
Foto: Markus Winkler via Pixabay